Unheiliger Seitensprung: der Anfang vom Ende

Muss Fremdgehen das Aus bedeuten?

Der unheilige Seitensprung
Fast jeder Zweite geht irgendwann einmal fremd. Irgendwann kann ein Mann
oder eine Frau der Verlockung fremder Haut nicht widerstehen.
Vor 2 Jahrzehnten hätte das fast immer das Aus für eine Beziehung bedeutet.
Doch die Zeiten haben sich mittlerweile etwas geändert.

Wenn sich bei der hohen Fremdgeh-Rate von 40 – 50% jeder Betrogene
vom Partner trennen würde, dann wäre die halbe Republik beim Scheidungsrichter.
Ganz so schlimm ist es aber nicht.
Irgendwo muss es
gewisse Fakten geben,
die den Seitensprung halbwegs verzeihlich machen.

Wenn die Ehe oder eheähnliche Beziehung noch eine Chance haben will,
dann müssen der Seitenspringer und der Gehörnte einen offenen Umgang
miteinander finden. Nachdem Wut, Trauer und Enttäuschung etwas verraucht sind,
müssen sie die Ursachen des Fehltritts herausfinden.
Und daraus Rückschlüsse ziehen.
Einfach nur totschweigen oder sich in ewigen Vorwürfen ergehen:
Das führt früher oder später zur Trennung.

 

Varianten des Seitensprungs
Die meisten Fremdgeh-Geschichten haben nichts mit Liebe zu tun.
Es ergab sich zufällig die Gelegenheit, mit einem Kollegen
oder einer Zufallsbekanntschaft zu poppen.

Der One-Night-Stand kann noch am ehesten verziehen werden.
Erst recht, wenn er unter Alkoholeinfluss zustande kam –
wie auf einer Betriebs- oder Weihnachtsfeier.

Seitensprung ohne Sex:
Auch ein heftiger Flirt ist kein Beinbruch.
Ein Mann kann sich den Reizen einer sexy Frau nicht entziehen.
Beide fühlen die erotische Spannung in der Luft liegen.
Also wird geflirtet und gebalzt. Sogar in Gegenwart der Ehefrau.

Das ist zwar demütigend. Die Gattin wird eifersüchtig.
Letzten Endes kommt es aber nicht zum Geschlechtsverkehr.
Auch diese Geschichte kann relativ leicht verziehen werden.
Sofern sie nicht jede Woche vorkommt.

Die schlimmste Variante des Seitensprungs ist die Langzeit-Affäre.
Wenn der Sex über Wochen, Monate oder Jahre geht.
Wenn er womöglich noch mit Liebesgefühlen einher geht.
Wie in der Dreiecksbeziehung Lady Diana, Camilla und Prinz Charles.

 

Wo beginnt eigentlich das Fremdgehen?
Verschiedene Ansichten

 

Das Aus für eine Beziehung, wenn …
Am schlimmsten sieht die Sache aus, wenn es nicht nur um reines Poppen und
sexuelle Gier geht. Sondern wenn beim Seitensprung Gefühle ins Spiel kommen.

Eine Frau vermisst etwas in der Beziehung. Sie fühlt sich nicht wertgeschätzt.
So sucht sie sich Anerkennung und Zärtlichkeit woanders.
Sie ist anfällig geworden fürs Fremdgehen und sogar fürs Verlieben.

Ganz schlimm wird es, wenn sich diese unheilige Liebe über längere Zeit hinzieht.
Wenn sich eine Seitensprung-Affäre entwickelt.
Wenn das herauskommt, dann verstehen die meisten Deutschen keinen Spaß.
Da es sich hier nicht um eine Zufälligkeit oder einen schwachen Moment handelt.
Sondern weil gezielt und vorsätzlich betrogen und verletzt wird.

 

Unheiliger Seitensprung als neue Chance?
Oder bedeutet er zwangsläufig der Anfang vom Ende?
Was soll denn das, bitte schön: Neuanfang, neue Chance?

Durch den Fehltritt des Mannes ist sie verzweifelt und deprimiert.
Sie heult sich die Augen aus dem Kopf. Kann nachts nicht schlafen.
Oder sie wirft aggressiv mit Tellern und Tassen nach ihm.

Sie rast und tobt. Versucht, den Namen der Geliebten zu erfahren.
Um sie mit dem Messer abzustechen.
Wie soll in dieser Katastrophen-Situation eine Ehe noch zu retten sein?

Grundvoraussetzung ist, dass beide Ehepartner dies wollen.
Es macht keinen Sinn, sich in sein Schneckenhaus zurückzuziehen.
Auch eine Trennung auf Zeit ist keine Lösung.
Sie beschleunigt nur das Auseinanderdriften.

Gegenüber dem Betrogenen ist viel Fingerspitzengefühl nötig.
Aber auch der muss seinen Teil zur Versöhnung beitragen.
Man sollte sich in dieser Lage gemeinsam ehrliche Fragen stellen.

Wie konnte es kommen, dass er mit einer anderen Sex hatte?
Was fehlt im eigenen Schlafzimmer? Was fehlt im Alltag?
Was ist uns im Lauf der Beziehung abhanden gekommen?
Denn irgendwann einmal muss es doch die große Leidenschaft gewesen sein.
Ist es auch heute noch Liebe?
Oder ist es nur Bequemlichkeit, dass wir noch zusammen leben?

Wenn sich ein Paar ehrlich mit solchen Fragen beschäftigt.
Wenn es Gedanken spinnt, wo die Ursachen für den Seitensprung liegen.
Und nach Lösungen sucht.
Dann besteht eine gute Chance, dass sie sich innerlich wieder näher kommen.

Es wird nicht von heute auf morgen wieder alles gut sein.
Aber mit der Zeit, wenn der Schmerz nachlässt,
kann die Beziehung sogar gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.

Die nötigen Fragen können nicht in einer halben Stunde abgehakt werden.
Sie sollten sich mehr als einmal viel Zeit nehmen, um über die Hintergründe
und den Status Quo der Partnerschaft nachzudenken.

Wenn man erkennt, was man beinahe verloren hätte:
Dann werden sich beide beim Sex und im Umgang wieder mehr Mühe geben.
Man wird den Partner nicht mehr als ein selbstverständliches
Hausinventar ansehen. Sondern zu schätzen lernen, dass er da ist.

Viele wollen, können aber nicht: den Seitensprung vernünftig aufarbeiten.
Vor allem der Leidtragende verfällt immer wieder in Vorwürfe.
In dieser Situation wäre zu überlegen, ob man sich einer Paartherapie anvertraut.
Einem erfahrenen Therapeuten, der das Zwiegespräch lenkt.
Der helfend eingreift, wenn die Diskussion wieder aus der Bahn zu laufen droht.

 

Umfragedaten zum Thema Seitensprung
Es gibt einige interessante Fakten, die sich durch eine Umfrage ergeben haben.
So halten mehr als 80 Prozent aller Deutschen Vertrauen für den wichtigsten Punkt
in einer Beziehung. Wichtiger als kribbelnden Sex.

Jeder Zweite der Befragten sagt: Unheiliger Fremdsex führt zwangsläufig
zur Trennung. Ohne Wenn und Aber.
Aber immerhin fast 50 Prozent teilen diese Ansicht nicht.
Vor allem nicht, wenn es sich um einen One Night Stand handelt –
also einen Einzelfall.

Bemerkenswert ist auch die Zielsetzung eines Seitensprungs.
Männer wollen Sex und Spaß.
Ein Großteil der Damen geht erst dann fremd, wenn sie sich verliebt haben.

Frauen sind auch diejenigen, die bei Fremdgehen des Partners eine Beziehung
häufiger beenden. 70 Prozent empfinden den Vertrauensbruch
als hinreichenden Grund für eine Trennung. Männer sind da etwas kulanter.

 

Lothar Mader

 

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