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Rassistisches Dating – Diskussionsrunde

Rassismus und Diskriminierungen bei der Partnersuche

Rassistisch bedeutet: von Grund auf böse oder zumindest streng voreingenommen und entwertend. Darüber muss man nicht lange diskutieren. Wer Afrikaner, Araber oder Asiaten aufgrund ihrer Hautfarbe beleidigt oder angreift, disqualifiziert sich selbst. Die Rassismus-Debatte ist in Deutschland in vollem Gange. Das ist gut so, vor allem in einem Land mit einer solchen Vergangenheit. Letztendlich sind wir alle Menschen, mit nur relativ geringfügigen Unterschieden.

Manchmal entsteht allerdings der Eindruck, dass dieses Wort „rassistisch“ nur als Vorwand dient, um Leute anzuprangern, die nicht 100%ig mit der eigenen Meinung konform gehen. Nicht nur im Alltagsverhalten, sondern auch im Dating-Bereich: bei Apps, Singlebörsen und Partnervermittlungen.

Da schreibt jemand in einem Forum: Rassismus ist die offene Anfeindung oder Verfolgung von Menschen fremder Herkunft und mit anderen äußeren Merkmalen – ähnlich wie im NS-Regime. Diese Einschätzung ist korrekt. Aber vielen Zeitgenossen reicht das noch lange nicht.

Denn da gibt es vor allem in Deutschland eine Besserwisser-Generation (ordinäre Zungen nennen sie „Klugscheißer“). Eine Gruppierung, die haargenau weiß, was anti-multikulturell und ausländerfeindlich bedeutet. Und wie sie unwissenden Mitbürgern mit erhobenem Zeigefinger die eigene Sichtweise beizubringen und sie zu bevormunden hat.

Worte wie „Mohrenkopf“, „Zigeunerschnitzel“, „Schwarzarbeit“ und „Mohren-Apotheke“ werden als diskriminierend gebrandmarkt. Schwarze und Mulatten gibt es nicht, sondern nur „People of Color“. Die Political Correctness treibt manchmal seltsame Blüten. Der Mainzer Karnevalist Ernst Neger würde sich im Grab herumdrehen, wenn er das hören könnte.

Bezogen auf die Partnersuche von Singles untersucht dieser Beitrag die Frage: wie wird rassistisches Dating interpretiert? Hier ein paar Beispiele aus meinen Online-Recherchen. Vielleicht können Sie sich nach dem Lesen der folgenden Diskussionsrunden eine eigene Meinung über den Zustand der Dating-Branche bilden.

 

Sind Parship und Co. rassistisch?
Die Nutzungsbedingungen der größten deutschen Partnervermittlung schreiben vor, dass das Pseudonym, welches jeder für die Partnersuche braucht, keinen Hinweis geben darf auf die Diskriminierung ausländischer Mitbürger oder exotischer Volksgruppen. Parship untersagt den Usern ferner beleidigende und eindeutig rassistische Formulierungen im Profil. Ist das Problem damit schon gelöst?

Da beschwert sich eine junge Dame in einer Diskussionsrunde im Parship-Forum, sie wurde von einem Mann zurückgewiesen, weil sie Russin sei. Er schreibt ihr, russische Frauen haben ein schlechtes Image. Sie seien häufig geldgierige Abzockerinnen. Dabei hat die Ostdeutsche in ihrer Dating-Anzeige lediglich preisgegeben, dass sie Sprachkenntnisse in Russisch habe. Hier handelt es sich wohl um ein Missverständnis. Oder doch nicht? Ist es nicht ein dummes Vorurteil, von einigen wenigen Betrügerinnen aus Russland auf die Allgemeinheit russischer Damen zu schließen?

Ich habe einen Blick auf die Partnerkriterien von zwei großen deutschen Singlebörsen geworfen. Dort, wie auch bei vielen internationalen Kontakt-Vermittlungen, kann der User angeben, welcher Herkunft der Chat- oder Traumpartner sein soll: südländisch, westeuropäisch, arabisch, afrikanisch, asiatisch oder lateinamerikanisch. Sollte man solche Suchfilter grundsätzlich verbieten? So dass der Suchende auch fremdländische Singles vorgeschlagen bekommt. Ich denke, das würde den Singlebörsen ganz gut zu Gesicht stehen.

 

Ist es rassistisch, bei der Partnersuche weiße Frauen bzw. Männer zu bevorzugen?
Im Internet habe ich die ausführliche Selbstreflexion eines jungen Deutschen gefunden. Er gibt zu, dass er bisher nur weiße Freundinnen hatte. Er fragt sich, ob er deshalb ein Rassist sei? Die Besserwisser-Fraktion wird natürlich nachhaltig mit dem Kopf nicken. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Der Autor dieses Artikels analysiert sein Dating-Verhalten bei der Tinder-App. Dabei stellt er fest, dass er mehr oder weniger unbewusst Kontaktvorschläge mit Türkinnen, Brasilianerinnen und Afrikanerinnen nach links wegwischt. Er habe nur mit weißen bzw. europäisch aussehenden Damen gechattet und sie persönlich getroffen.

Ist er damit schon ein Rassist? Er würde sich gern einreden, dass seine Verhaltensweise nichts mit dem Aussehen und der Hautfarbe der vorgeschlagenen Tinder-Damen zu tun habe, sondern nur mit der persönlichen Ausstrahlung der Ladys.

Dann gibt er allerdings zu bedenken, dass er auch auf dem Uni-Gelände ständig nur mit deutschen oder weißen Kommilitoninnen verkehrt und pussiert habe. Exotische Studentinnen seien zwar oft sexy und schön anzusehen. Doch irgendwie fehlt ihm der letzte entscheidende Zug, um mit ihnen eine mehr als oberflächliche Verbindung einzugehen.

Tiefenpsychologisch stellt der Schreiber die Vermutung an, dass die Vorliebe für die weiße Hautfarbe von einem Sicherheits-Bedürfnis herrühren könne. Auch wenn wir es nie zugeben würden, ziehen wir beim Dating, im Alltag und bei der Partnerwahl unbewusst immer wieder das vor, was wir kennen und was uns ähnlich ist. Alles Fremdländische bedeutet, sich auf ein Risiko und auf Unbequemlichkeiten einzulassen. Ist das menschlich, ist es rassistisch?

Ist es normal, dass wir uns Freunde und einen Lebenspartner wünschen, der uns bildungstechnisch, kulturell, mental ähnlich ist? Der in ähnlichen finanziellen Verhältnissen aufgewachsen ist und eine vergleichbare Erziehung genossen hat? Wie schwierig ist es, wenn z.B. ein deutscher Mann und eine hübsche Türkin oder Migrantin ein Liebespaar werden?

Der Mensch neigt dazu, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Selbst wenn die junge Afrikanerin oder die mexikanische Studentin noch so sexy sind: oft wird der Mann intuitionsgesteuert eine deutsche, holländische oder französische Freundin, die womöglich nicht ganz so attraktiv aussieht, vorziehen.

 

Sind Türken, Araber, Juden, Afrikaner und Naturvölker etwa auch Rassisten?
Fallen nur Weißhäutige durch die Ablehnung des Multikulturismus auf, oder dunkelhäutige Menschen ebenso? Weiße, die nur Weiß mögen, werden in bestimmten Kreisen gern als fremdenfeindliche Elemente oder als Nazis bezeichnet. Gehören Schwarze, die nur Schwarze mögen oder Türken, die nur Türkinnen heiraten wollen, auch in diese Kategorie? Oder gilt das nur für Amis, Europäer und Australier?

Um uns zu erleuchten, hat das amerikanische Dating-Portal OK Cupid zu diesem Thema einen Test durchgeführt. Studenten, die Mitglied bei OK Cupid waren, bekamen Partnervorschläge mit Usern weißer, brauner und schwarzer Hautfarbe. Nun sollten sie eine Bewertung abgeben, wie attraktiv sie die gezeigten Profile finden.

Dabei stellte sich heraus, dass weiße Singles die Fotos hellhäutiger Menschen um ca.15 Prozent anziehender fanden als die von dunkelhäutigen Studenten und Studentinnen. Bei diesen wiederum ergab sich ein ähnliches Bild. Farbige Amerikaner bevorzugen ebenfalls Ihresgleichen. Sind sie auch so ethnizistisch wie ihre weißen Kollegen und Kolleginnen? Oder ist das ein ganz normaler Vorgang?

Im deutschen Alltag sieht es ähnlich aus. In einer Foren-Diskussion beschreibt eine verheiratete Mama, wie sie den Umgang mit türkischen, afrikanischen arabischen Mitbürgern sieht. Schon im Kindergarten beobachtet sie, wie die Kinder anderer ethnischen Gruppen – sogar die Deutsch-Russen – lieber unter sich spielen. Da die dunkelhäutigeren Menschen sich schon von Kindesbeinen an absondern und als andersartig gesehen werden, sei es für sie einst bei der Partnersuche selbstverständlich gewesen, nur Dates mit deutschen oder artverwandten Männern zu haben.

Es stellt sich also die Frage: ist es rassistisch, wenn jemand beim Online-Dating einen bestimmten Typ Mensch bevorzugt? Ist es ein Zeichen von mangelnder Weltoffenheit, wenn ein europäischer Single keine schwarzafrikanischen Dame oder keine Asiatin als Partnerin in Betracht zieht? Oder hat es nur etwas mit Bequemlichkeit (kultureller Hintergrund) oder sexueller Anziehungskraft zu tun?

Wenn wir im Alltag einen Menschen wegen seiner Hautfarbe ganz offensichtlich ablehnen (in der Schule, beim Flirten in einer Bar, bei der Job-Bewerbung oder in einer Wohngemeinschaft): das ist eindeutig fremdenfeindlich. Wenn wir uns jedoch bei der Partnersuche, wo es um die persönliche Zukunft geht, von unserem Bauchgefühl leiten lassen: das kann wohl nichts mit Diskriminierung zu tun haben. Oder was meinen Sie, liebe Leser?

In einer Online-Diskussionsrunde wurde sogar die Meinung vertreten, es sei rassistisch, wenn man Migranten und Angehörige fremder Volksgruppen babymäßig umhätschelt, wie es die grünen Gutmenschen häufig tun. Das habe nichts mit echter Ausländerfreundlichkeit zu tun, sondern sei nur scheinheilig.

Wahre Toleranz, so die Autorin des Kommentars, bestehe darin, dass man Null Unterschied mache zwischen Inländern und Ausländern, zwischen Deutschen, Afrikanern, Türken und Arabern. Erst wenn die Hautfarbe des Gegenüber ihn weder sympathisch noch unsympathisch mache, sei die Gleichberechtigung der Ethnien erreicht.

 

Erfahrungen ausländischer Mitbürger
Bei einem Journalisten-Portal habe ich Interviews gefunden, in denen deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund über ihre Dating-Erfahrungen berichten.

Ein 30-jähriger Libanese, der in Beirut geboren wurde, ist vom Aussehen her ein attraktiver südländischer Typ. Die Frauen, mit denen er zu tun hat, fragen erst gar nicht nach seiner Herkunft. Sondern sprechen ihn, den Wahl-Berliner, einfach als Türken an. Er empfindet es schon als rassistisch, weil die Frauen aufgrund seiner äußeren Erscheinung auf ihn fliegen. Solche Probleme müsste man haben.

Kürzlich hat der Libanese ein Date mit einer forschen Engländerin gehabt. Mitten im Gespräch ist der Rothaarigen die Idee gekommen, dass er ihr im Bett Arabisch beibringen könnte. Daraufhin hat er sie weggeschickt. Der syrische Christ würde ein gemächliches, unvoreingenommenes Kennenlernen dem flüchtigen Sex-Abenteuer mit einer europäischen Lady vorziehen.

Eine junge Araberin aus Syrien, die rein gar nichts mit der Flüchtlingsbewegung zu tun hat, weil sie schon seit fast 20 Jahren in Deutschland lebt, beschwert sich über die Oberflächlichkeit deutscher Männer. Sie hat eine südländisch braune Haut, ist also ein echter Hingucker.

Männer, die mit der Syrerin flirten wollen, fragen sie oft nach ihrem Herkunftsland. Sobald sie „Syrien“ hören, fangen sie an, ihr Schicksal zu ermitteln. Ob sie ausgebombt worden sei, auf welcher Flüchtlingsroute sie halb verhungert nach Europa gekommen sei usw. Die Orientalin empfindet es als rassistisches Verhalten, weil sie offensichtlich nur wegen ihres exotischen Sex-Appeals von vielen Männern angemacht werde.

Ebenso wie die hübsche Syrerin oben wird auch eine 20-jährige Halb-Chinesin nur wegen ihres Aussehens angesprochen. Beim Dating auf einem Online-Portal werde sie ständig mit anderen Ostasiatinnen in einem Topf geworfen. Dabei gebe es zwischen Japanerinnen, Thailänderinnen und Chinesinnen erhebliche Unterschiede.

Was dieser jungen Dame besonders merkwürdig vorkommt: dass es deutsche Typen gibt, die sich voll auf Frauen aus Asien fokussiert haben. Nachdem sie zwei Männern eine Abfuhr erteilt hatte, haben die versucht, ersatzweise mit ihrer Schwester anzubandeln. Ist die unbedingte Präferenz für eine bestimmte Volksgruppe als spiegelverkehrter Rassismus einzustufen?

Ein schwuler Afro-Boy aus Frankfurt schreibt, dass viele Männer ihn beim Gay-Portal nur deshalb anschreiben, weil er schwarz ist. Ohne ihn zu kennen, bekommt er massenweise Komplimente, dass er genau der Traumtyp sei, den der andere gesucht habe. Diese übertriebene Ausländerfreundlichkeit sei ihm mächtig auf den Zeiger gegangen. Besonders minderwertig habe er sich in einer Schwulen-Beziehung mit einem Deutschen gefühlt.

Zum Schluss noch die Dating-Erfahrungen einer jungen Tunesierin. Männer, die sie getroffen hat, strotzen nur so vor Vorurteilen über arabische Frauen. Bei den Fragen spielten sie immer dieselbe Leier: Bist du Türkin? Passen deine Brüder auf dich auf? Ich dachte, Araberinnen tragen keinen Bikini usw. So ein oberflächliches, auf die Herkunft und den vermeintlichen Lebensstil ausgerichtetes Gelaber nervt die gebürtige Nordafrikanerin.

 

Fazit über die Diskussionsrunden im Internet
Wir haben viele Meinungen im Umgang mit fremdländischen Menschen gehört. Als Quintessenz bleibt hängen, dass man sich beim Dating und im täglichen Umgang mit Ausländern generell nicht von allgemeingültigen Klischees leiten lassen sollte. Sondern jedem Menschen – gleich welcher Herkunft und Hautfarbe – unvoreingenommen gegenübertritt.

Um zur entscheidenden Frage zurückzukommen: ist es rassistisch, wenn ich eine farbige Afrikanerin ablehne? Ist es rassistisch, wenn ich heiß bin auf dunkelhäutige Latinas? Wo fängt Diskriminierung, wo fangen perverse Diskussionen an? Muss man wirklich jedes Verhaltensmuster bis ins Kleinste sezieren? Oder hat nicht jeder Online-Dater das Recht auf eine eigene Meinung, auf seine individuelle Vorlieben? Auch auf das Recht zu sagen: das gefällt mir und das nicht.