Knuddels: verspielter Zeitvertreib für Jugendliche

Warum Knuddels so mega-geil ist

Knuddels im Test
Diese Chat-Community ist gedacht für Jugendliche.
Dort können sie Spiele veranstalten, sich in Chats unterhalten oder flirten.
Ein netter Zeitvertreib für junge Leute, wenn man so will.

Die meisten User bei Knuddels sind Teenager oder Twens.
Aber auch ältere Leute verirren sich hier und da in der Community.
Männer sind leicht in der Überzahl. Die Zielsetzung liegt keineswegs
in der Partnersuche. Auch wenn die meisten Singles sind.

Man will – dem meist jugendlichen Alter entsprechend –
lediglich Freunde finden, mit ihnen plaudern, sie dumm anmachen.
Und sich mit wettkampfartigen Spielen die Zeit vertreiben.

Im Gegensatz zu wirklichen Dating-Portalen bestehen bei dieser Chat-Community
keine Alterseinschränkungen nach unten oder oben.
Dass auch ältere Leute bei Knuddels aktiv sind,
lässt den Verdacht an Pädophilie aufkeimen.
Auch wenn es grundsätzlich möglich ist,
den Kreis der Kontaktpersonen einzuschränken.

So weit so trocken. Ich bitte um Nachsicht, wenn ich mich jetzt ein bisschen
über das Chat-Portal lustig machen werden. Denn ulkig ist es allemal.

 

Anmeldung und Funktionen
Auf der Startseite www.knuddels.de begrüßt mich das Motto „Chatten, spielen,
flirten“. Ich werde höflich gefragt, was mich am meisten interessiert:
Spiele, Abenteuer, Flirt oder Freundschaften.
Damit ist das Spektrum von Knuddels.de schon klar abgesteckt.
Ich mache mir Gedanken: wo bin ich denn hier gelandet?

Ich gebe Alter, Geschlecht und Nutzernamen und Passwort ein.
Doch was nun kommt, habe ich beim Online-Dating noch nie gesehen.
Never in my life.

Butler James erscheint auf der Bildfläche.
Er will mich Greenhorn freundlicherweise durch die Chats begleiten.
Ich sage Danke, Sir James. Let’s go! Pack mer’s ooh!

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Chats und Flirt-Channels als Zeitvertreib
Die Chatrooms sind fast nur von jungen Usern besucht.
Das bringt ich zum Philosophieren: wie jung bin ich eigentlich?
Ich versuche mein Glück bei den „Flirts“. Dort sind sogar Grufties über 35 online.
Endlich fühle ich mich zu Hause angekommen.

In Bildschirm-Mitte wandern Flirt-Nachrichten ständig weiter nach oben.
Ich klicke das Profil einer erwachsenen Dame an.
Ich sehe nur ihr Bild, das Alter und den Benutzernamen.

Ich kann ihr eine private Message schreiben, sie kitzeln, kuscheln, knuddeln,
küssen oder ihr meine unverbrüchliche Freundschaft anbieten.
Schade, dass sie aus ihrem Leben ein Top Secret macht.
Das bedeutet wohl: ich müsste beim Chatten selbst erfahren, wie sie tickt.

Die Sätze im Chat sind für mich alles andere als erbaulich.
Jugendliche Teenager können wohl nicht anders.
Die Alten haben sich dem Niveau wohl oder übel angepasst.
Meine Liga ist das jedenfalls nicht.

Ich kann mein Profil durch noch ein wenig umfangreicher gestalten.
Mit Fotos hochladen, Wohnort, PLZ, Beziehungsstatus.
Wenn ich bei den anderen das Bild – sofern vorhanden – nach unten scrolle,
sehe ich diese Angaben meistens ebenfalls.
Vielleicht werden wir doch noch gute Freunde, Knuddels und ich.

Aber Hallo! Da kommt das nächste Überraschungs-Ei meines neuen Zeitvertreibs.
Eigentlich ging ich davon aus, hier nur junges Gemüse zu treffen.
Denkste Sepp! Zumindest in diesem Chat ist keiner jünger als 35 oder 40.
Eine echte Rentnerband also.

Trotz bester Internet-Zeit ist in den Flirtchats (oder waren es Chatflirts?) Leipzig
und Berlin tote Hose. Ich klicke jetzt eine Teenager-Frau an.
Die 17-jährige Caruz hat bereits 4 Knutschflecken an der Backe.
Beziehungsweise im Profil stehen.

Sie sieht ganz lecker aus, die kleine Maus. Ob ich sie auch mal küssen soll?
Mit meinem urbayerischen Charme und englischen Humor müsste das eigentlich
funktionieren. Ich fühle mich wie ein Münchner im Himmel.

Ohne zu zögern klicke ich auf die Reiter „Küssen“ und „Kuscheln“.
Meine Tastatur quietscht fürchterlich.
Aber an ihren Knutschflecken ändert sich fürs erste nichts.
Sind meine Küsse weniger wert? Nicht leidenschaftlich genug?
Schmecken sie nach Apfelessig oder Ziegenkaas? Ich werde nachdenklich …

Wenigstens bekomme ich keinen Anschiss.
Weder von Knuddels noch von dem Traumgirl Caruz.
Aber auf der Postline wird der gesamten Knuddels-Welt nach Facebook-Manier
groß und breit die Sensation mitgeteilt:
Garibaldi hat Caruz einen riesigen Knutschfleck verpasst.
Prost Mahlzeit! Don’t worry, be happy. Jetzt bin ich mitten drin im Spiel.

Meine Anwesenheit in diesem Kindergarten wird endlich wahrgenommen.
Gut dass sie nicht wissen, wie alt ich bin.
Ich habe mich als Garibaldi1616 geoutet. Die Italiener mögen es mir nachsehen.
In hatte die Hoffnung, mit der 16 würde man mich
für einen Führerschein-Anwärter halten.

Der Nickname Dreamboy007 wäre wohl besser rüber gekommen.
Die hübsche Caruz nimmt meine Annäherungsversuche mit stoischem Gleichmut
hin. Dabei hätte ich mich doch so gern von ihr zurückküssen lassen.
Aber das Leben ist halt kein Wunschkonzert. So weit zum Reinfall bei diesem Joke.

 

Im Knuddels-Rausch: Was taugen die Spiele?
Für die Games von Butler James muss man ein olympiareifes Talent haben.
Es geht darum, Fußball oder Sudoku zu spielen. Und natürlich zu gewinnen.
Oder Raumschiffe von Aliens mit Raketen und Kanonen zu bekämpfen.

Bei jedem Spiel wird eine Hitliste erstellt, wer von den Teilnehmern
die größten Erfolge erzielt. Bei Knuddels heißt das „Shootings“.
Man kann also ein echter Shooting-Star werden.

Die Pokerrunde, Fantasy, Pokemon und fast alle anderen Spiele
sehen heute am frühen Abend ganz schön verwaist aus.
Menschen’s Kind, ich komme mir vor wie sonntags in der Kirche.
Oder wie in der Wüste Sahara.

Dabei haben wir gerade happy hour, richtiges Computerwetter.
Nur bei Knuddelonia, Paradice und Sudoku sind jeweils
mehr als 25 Spieler am knuddeln.

Jesus, Maria und Josef, jetzt wird es aufregend.
Knuddelonia ist eine mittelalterliche Stadt, die gegen bestialische Angreifer
verteidigt werden soll. Es geht ums Survival, you know?
Wie einstmals in Wien gegen die Türken, vor Aleppo oder in Büttenwerder
gegen den bierbauchigen Herzog Tunichtgut von Sachsen-Anhalt.

Mit Hengasch, Buxtehude, Mösendorf, Busendorf, Rammelsbach, Tittenkopf,
Blasendorf oder Poppenweiler könnte ich mich noch identifizieren.
Aber mein Leben sinnlos für ein Fantasy-Kaff aus kosmischen Sphären
zu riskieren: das sehe ich nun wirklich nicht ein.

Zum Schein klicke ich heroisch den Befehl „In den Kampf ziehen“.
Die jugendlichen Knuddelianer jubeln mir zu als wäre ihnen der Messias
oder der Guru von Scientology erschienen.

Generalstabsmäßig soll ich jetzt goldene Strategien entwickeln,
wo ich am besten angreifen (oder mich verstecken?) kann.
Diese Kriegsspiele sind echt unter meine Würde.
Mamma Mia! Wie sehne ich mich nach meiner Couch.
Nach Sportschau, FC Bayern, Chips, Veltins und Tatort.
Kruzitürken, I’m not amused.

 

Foto-Voting
Wer die Wahl hat, hat die Qual.
Das mag vielleicht in der Politik oder bei Lottozahlen gelten.
Aber nicht, wenn es um schöne Frauen geht.
Diese Foto-Spiele kenne ich von manchen guten Singlebörsen 
her.

Kein schlechter Gedanke.
Man soll die Bilder von Knuddels-Usern positiv oder negativ bewerten.
Und damit ein „Hallo“ setzen für eine mögliche Kontaktaufnahme.
Vielleicht für den Anfang einer pretty Love Story.

In der linken Weißbierbar klicke ich also auf Foto-Meet.
Wie Sie wissen, heißt „Meet“ auf Deutsch: Fleisch oder Frischfleisch
Jetzt werden die Bilder von lauter 16-jährigen Püppchen gezeigt.
Älter sind sie wirklich nicht, die Baby-Faces im Barbie-Look.

Oh my God! Terminator James brüllt als hätte ihm jemand den Cricket-Schläger
geklaut: Du musst dich entscheiden, stupid Barzi, die Mädchen zu liken oder nicht.
Dabei kommt mir kurzzeitig etwas ganz anderes in den Sinn.

Doch auch dieses Spiel findet ein unrühmliches Ende.
Der Knuddel-King besteht darauf, es wäre nun an der Zeit,
endlich ein Foto hochzuladen.
Doch das möchte ich meiner Umwelt nicht antun. Am wenigsten aber mir selber.

 

Sonstige Spiele
Da ich im Moment keine funktionierende Web-Kamera habe,
konnte ich mit meinem Sherlock Holmes-Scharfsinn leider nicht feststellen,
was es mit dem Videoflirt auf sich hat.
Auch bei Hausknuddel steige nicht durch.
Haus? Haustier? Knuddel? Mann Scheiße: das hört sich nicht gut an.

Außerdem kommen schlimmste Bedenken bezüglich meines IQ.
Muss man ein hochdekorierter Professor sein, um bei Knuddels halbwegs
durchzublicken? Eine Anleitung für irgendwas steht jedenfalls nirgendwo.
Die „Hilfe“ des putzigen Kids-Portals ist total für die Katz.

Bevor ich elend vor die Hunde gehe, könnte ich andere User um Rat fragen.
Damit Butler James mich britisch-queenisch-dämlich angrinsen kann.
Nein danke schön, excuse me please, Knuddels. I go back to my bayrisch home.

Auf Gut-Deutsch: I moch mi g’schwind von der Alm.
Ich zitiere die Pop-Queen Nena und sage: goodbye you bloody bastards.
Fuck yourself and see you later, irgendwie, irgendwo, irgendwann.

 

Weitere Games im Internet –
Welche Online-Spiele sind am beliebtesten?

 

Was kostet mich der Knuddel-Zeitvertreib?
Ich bin bei meinem hartnäckigen Test nirgendwo an eine Stelle gekommen,
wo mir jemand Geld abknöpfen wollte.
Das hat mir für ganz kurze Zeit einen mächtigen Energieschub gegeben.
Konnte aber nicht verhindern, dass ich mir immer mehr verloren vorkam
in diesem Labyrinth von Chatrooms, Spielen, Flirts, Smileys,
Butlern, Komikern und undurchschaubaren Sprüchen.

 

Testfazit Knuddels
Es mag ja sein, dass diese Games hier, diese Flirts und diese Chatterei
mit allerlei geheimnisvollen Abkürzungen ein netter Zeitvertreib für Singles
unter 18 ist. Was die älteren hier suchen, entzieht sich meiner Intelligenz.

Einen Partner werden die bei Knuddels in 1.000 Jahren nicht finden.
Dazu ist zu wenig los auf diesem infantilen Oktoberfest hier.

Selbst junge Leute sind in einer guten Tageszeit nur spärlich vorhanden.
Was nichts mit Apps, YouTube, Tinder und Sex zu tun hat,
geht eben in unserer so mega-fortschrittlichen Zeit überhaupt nicht mehr.

Ich denke, dass es auch unter den kostenlosen Chat-Portalen erheblich bessere
gibt als Knuddels. Es sei denn, man will wirklich nur Sudoku,
Ritter, Poker oder Enterprise im Weltraum spielen.

Als Zeichen des Fortschritts werte ich es, dass Knuddels auch via App nutzbar ist.
Ansonsten aber ist das Ganze ziemlich primitiv gestrickt.

 

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