Single-Magazin

Frauen, Akademiker & Junge wählen die Grünen

Die Grünen sprechen junge gebildete Frauen an

Das Politbarometer und zahlreiche Umfragen lehren uns: nach der letzten Bundestagswahl erlebte Bündnis 90/ die Grünen einen fulminanter Aufschwung auf bis zu 22 Prozent.

Ganz besonders Frauen sind der grünen Partei zugetan. Dafür gibt es mehrere Gründe. Während alle anderen Parteien – außer der AfD – Einbußen erleben, setzen die Grünen zu Höhenflügen an, die ihnen selbst fast unheimlich vorkommen.

Mittlerweile ist die Flüchtlings- und Klimaschutzpartei in der Gunst von Frauen und jungen Wählern zur stärksten politischen Kraft in Deutschland aufgestiegen. Bei Akademikern war das schon immer so. Hier nun die Hintergründe dieser Entwicklung.

 

Grüne Umweltpartei bei Frauen höchst beliebt
Das Umfrage-Ergebnis im Herbst 2018 (Bild am Sonntag): 28 Prozent der deutschen Damen würden zu diesem Zeitpunkt die Umweltpartei wählen. Damit sind die Grünen bei den Damen die stärkste Partei. Ein Prozent dahinter liegt die CDU. Die SPD erhält nur 14 Prozent an weiblicher Zustimmung.

Schon seit den Studenten-Revolten 1968 und der sexuellen Revolution hatte sich das politische Klima in Deutschland grundlegend gewandelt. In der Voremanzipations-Zeit wählten die meisten deutschen Damen noch brav und ängstlich konservativ (die CDU).

Seit Mitte der 70er Jahre ist eine Wählerwanderung in Richtung links, alternativ, atomkraftfeindlich zu beobachten. Das sind die Vorgänger-Bewegungen der Grünen. Ein vorläufiger Höhepunkt scheint nun in diesem Jahr erreicht. Es bleibt abzuwarten, wie sehr die Ökopartei, die sich gern feministisch gibt, Frauen in diesem Ausmaß an sich binden kann. Die Vorzeichen stehen jedenfalls gut.

Vor allem akademisch gebildete Damen unter 40 und mit Beamtenstatus (Hochschul-Professorinnen, Lehrerinnen) sowie fast alle Medien-Vertreter fühlen sich stark zur Umwelt-Partei hingezogen. Obwohl CDU/ CSU und SPD seit Jahren darum bemüht sind, grünes Gedankengut ins Parteiprogramm aufzunehmen.

Berichterstattungen im Fernsehen, in Zeitungsartikel und öffentlich-rechtliche Spielfilme (ARTE, ZDF, ARD) klingen oft nicht politisch neutral – wie es dem Journalismus eigentlich zustehen würde. Sondern recht einseitig. Fast schon wie eine Wahlpropaganda für die Grünen.

Männer und Frauen mit niedrigerem Bildungsniveau (Hauptschule, Realschule) sowie ältere Menschen, Rentner und Hartz 4-Empfänger sind weniger fasziniert von den grünen Themen wie Umweltschutz, regenerative Energien, Tempo-Limit, Klimawandel, bunte Gesellschaft, Gleichstellung der Frau und Elektro-Autos. Das studierte Bildungs-Bürgertum ist mit diesen Themen sehr gut zu erreichen.

Ein Big-Point für die Grünen: Spitzenpolitiker (fesche Ladys wie Annalena Baerbock, Katharina Schulz, Jamila Schäfer) treten jugendlicher auf als die alten Hasen anderer Parteien. Bei denen hat man das Gefühl, dass sie einfach nicht loslassen können.

Das jugendliche Erscheinungsbild der schicken, redegewandten Damen der Grünen kommt bei Erstwählern, bei Frauen und bei der jüngeren Generation generell sehr gut an. Allein schon die Tatsache, dass ein Großteil der politischen Repräsentanten weiblich ist (60 %), bringt die Klimaschutzpartei bei der Damenwelt in die Pole Position. Auch ohne eine weitgehend grünenfreundliche Presse.

Zwar laufen Parlaments-Mitglieder der Grünen heute nicht mehr – wie einst Radaubruder Joschka Fischer – leger mit Turnschuhen, Sandalen oder Sweatshirt im Bundestag auf. Dennoch haben viele Deutsche unter 30 das Gefühl, von solch unverbrauchten Menschen besser vertreten zu werden als vom greisen Establishment in CDU, CSU und SPD.

 

Warum geben so viele Deutsche
den Grünen ihre Wahlstimme?

Wie konnte es dazu kommen, dass nach bescheidenen 8,9 Prozent bei der Bundestagswahl 2017 nur wenige Monate später jeder Fünfte sich zu den Grünen hingezogen fühlt? Das ist ein Sprung von knapp 9 auf 20 Prozent.

Ein erheblicher Anstieg des Umfragehochs erfolgte durch das extrem trockene Wetter im Sommer 2018. Dieser diente der grünen Partei als unschlagbaren Beweis für den weltweiten Klimawandel – mit Erderwärmung, zunehmenden Naturkatastrophen (Stürme, Hochwasser) und dem bedrohlichen Abschmelzen der Polareis-Gletscher. Egal ob jung oder alt: das sensibilisiert viele Bundesbürger.

Ein Pluspunkt ohne Wenn und Aber für die Grünen: sie engagieren sich wie keine andere Partei für bezahlbare Wohnungen in Großstädten. Damit haben sie bei den Alleinlebenden, Rentnern, Studenten und Singles aus Berlin, Hamburg, Frankfurt und München einen wunden Punkt getroffen. Es ist wirklich eine Skandal, wie sich durch profitgierige Spekulanten das Mietniveau erhöht hat.

Ein weiterer Gesichtspunkt für grüne Höhenflüge ist der Kräfteverschleiß und die mangelnde Kreativität der müden Großen Koalition. Deutschland ist nicht nur der Kanzlerin Merkel überdrüssig geworden. Man hat das Gefühl, dass die Probleme des Landes durch CDU/CSU und SPD mehr übertüncht, zerstritten und verwaltet statt gelöst werden.

Die Ökos hingegen präsentieren eine homogene Einheit – ebenso wie ihre Feinde: die AfD. Sie streiten nicht um Personalien, um die künftige Flüchtlingspolitik, um Obergrenzen für Immigranten, um Kompromisse zwischen Realos und Fundamentalisten. Es gelingt der grünen Partei, in der Öffentlichkeit ein Bild der Eintracht aufrechtzuerhalten.

Die Grünen bieten zudem scheinbar perfekte Perspektiven für politische Probleme an. Solange man Klimaziele und Energiewende im Alltag nicht verantwortlich umzusetzen braucht. Und solange man keine negative Konsequenzen (Arbeitsmarkt, Stromverteuerung, Ruin der Landwirtschaft) zu tragen hat: solange hören sich die grünen Rettungs-Theorien für einen Großteil der Bevölkerung verlockend an (z.B. Fridays for Future).

Haben die demonstrierenden Schüler bedacht, dass bei konsequent durchgesetzten Klima-Maßnahmen die Jobs in Deutschland weniger werden? Dass sie in 5 oder 10 Jahren in einer sauberen Luft arbeitslos sein könnten?

Noch ein Grund, warum die Grünen im Aufwind sind: irgendwie stellen sie es geschickter an, ihre teils anstrengenden politischen Ziele in ein elegantes Gewand zu kleiden. So dass der Bundesbürger den Eindruck hat: da ist eine Gutmenschen-Partei am Werk. Fantastische Experten, die das Wohl der ganzen Welt im Auge haben.

Schriftsteller Robert Habeck, seine Künstlerfreunde, grüne Frauen und Akademiker verstehen sich ganz als allein als verantwortungsbewusst Denkende. Als Nazi-Verhinderer, Vorkämpfer für multikulturelle Toleranz, für Menschenfreundlichkeit und Pressefreiheit.

Dass sie dem (ungebildeten) Wahlvolk eigentlich vorschreiben wollen, wie sie zu leben, sich zu ernähren oder wie sie zu reisen haben, wird in vage Floskeln kaschiert. Oder mit höheren Zielen angepriesen. Höhere Ziele: das hatten wird doch schon mal in der deutschen Geschichte.

Die Medienlandschaft trägt ihren Teil dazu bei, dass die Grünen von einem Umfragehoch zum anderen schweben. Reale Fakten werden nicht selten im Sinne der flüchtlingsfreundlichen Umweltpartei verdreht.

Nur allzu leichtfertig werden Menschen als Nazis, Rassisten oder Populisten hingestellt. Nur weil sie sich von gewaltbereiten Flüchtlingen nicht alles gefallen lassen wollen. Allerdings kommt die Voreingenommenheit vieler Journalisten indirekt auch der AfD zugute. So dass die politische Mitte der Bundesrepublik immer mehr ausblutet.

Viele besorgte Frauen und Männer wählen statt der SPD neuerdings die Grünen. Nicht so sehr aus Sorge um Klimawandel und Umweltzerstörung. Sondern weil sie Angst haben um die Demokratie in unserem Land. Die Grünen sind der heftigste Gegenspieler der erstarkten AfD.

Sie werde nicht müde, auf die Nazi-Vergangenheit, auf bewaffnete Reichsbürger und auf den rechten Hass auf alles Fremde hinzuweisen. Dass die Partei „Alternative für Deutschland“ Flüchtlinge kategorisch ablehnt, spricht ihrer Meinung nach für die Menschenfeindlichkeit dieser populistischen Partei. Dabei nimmt man zähneknirschend in Kauf, dass nicht wenige Flüchtlinge den Frauen in unserem Land Gewalt antun oder sie sexuell belästigen.

Die Grünen sind die einzig wahre Öko-Partei in Deutschland. Sie kennen kaum Kompromisse, wenn es um Klimaschutz, Kohleausstieg, Kernkraftwerk-Schließungen, CO2-Reduktionen geht. Das zieht vor allem jüngere Wähler an.

Last but not least hängt der Erfolg der Grünen damit zusammen, dass sie die Fähigkeit zur politischen Regierungsbeteiligung mehrfach bewiesen haben. Aktuell in Berlin, Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hamburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Im Laufe der Zeit waren die Grünen schon fast in fast allen Bundesländern an der Regierungs-Verantwortung beteiligt. Mal mit der SPD, mal mit der CDU oder mit der Linken. Die Öko-Partei ist heute längst kein Schreckgespenst mehr.

 

Wie sieht die grüne Wählerschaft aus?

Aufbegehren, die Anfänge der Grünen und politische Themen
Angefangen hat es Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, als die neue Linke entstand. Außerparlamentarische Rebellen, Hippies und Aussteiger. Blue Jeans, love and peace, Flower-Power. RAF-Sympathisanten, Besetzung der Frankfurter Startbahn-West.

Alternativ, eigenwillig und unangepasst sein. Bürgerinitiativen gegen Atomkraft und atomare Aufrüstung. Flippige junge Frauen und langhaarige, kiffende Studenten auf Castor-Demos. Industriefeindliche Parolen und die Friedensbewegung der frühen 80er. Skepsis gegen den so genannten Fortschritt und den Überwachungsstaat.

Doch das alles ist Schnee von vorgestern. Die Grünen heutzutage haben mit dem Urzeit-Grünen und der 68er-Generation nicht mehr viel gemeinsam. Sie leben brav und gesittet in ihrem weichen Nest. An einer Demo teilzunehmen hat schon Abenteuer-Charakter.

Grundsätzlich wählen die meisten Akademiker (68 %) die Grünen. Ebenfalls viele Beamte (45 %), Soziologen und Medienvertreter (40 %). Außerdem Jungwähler und ein weit überdurchschnittlicher Teil an Frauen (vor allem unter 30).

Selbst als die Grünen noch klein waren (unter 10 Prozent), wurden sie von grünstichigen Mediengestaltern der öffentlich-rechtlichen Sender bevorzugt. Sie wurden oft interviewt und fast ständig zu Diskussionsrunden eingeladen. So nehmen die Medien indirekt Einfluss auf die politische Meinungsbildung in Deutschland. Wenn der Zuschauer ständig mit grünen Thesen bombardiert wird – und seien sie noch so gut – nimmt er bald selbst eine solche Gesinnung an.

Keine andere deutsche Partei hat sich die Themen Klimaziele, Naturschutz, Einwanderung, erneuerbare Energien, Gleichberechtigung, Autoverkehr-Diskriminierung, Bienenschutz, Einbürgerung des Wolfs, kulturelle Vielfalt, Tierschutz und Kampf gegen Rechtsextremismus so verbissen auf die Fahnen geschrieben, wie die grüne Partei.

Über Wirtschaftswachstum, soziale Sicherheit, Rentensicherheit und Senkung der Arbeitslosigkeit denkt man in Grünen-Kreise weit weniger nach. Warum sollten höhere Beamten, Professoren, Schulleiter oder angehende Studienräte im Staatsdienst das auch tun?

Altersstruktur
Jeder dritte, der die Grünen wählt, ist unter 30 Jahre jung. Das ist mehr als bei jeder anderen Partei. Jeder Zweite ist unter 40. 20 Prozent der Frauen und Männer, die Öko und Mulitkulti prima finden, sind zwischen 50 und 60. Das sind exakt die altgedienten Grünen, die schon in den 80er Jahren mit der noch jungen Friedensbewegung gegen Atomkraft und amerikanische Pershing-Raketen demonstrierten. Aber nicht gegen russische Mittelstreckenraketen.

Schulbildung
Ziemlich eindeutig ist das Bild, wenn man sich den Schulabschluss der grünen Wählerschaft ansieht. Mehr als 50 Prozent haben Abi gemacht. Von der Realschule kommen nur 30 Prozent. Jeder Zehnte ging „nur“ zur Hauptschule.

Grün zu sein hat also nichts mit mangelhaften Zukunftsperspektiven zu tun. Dafür kaufen Öko-Freaks und Klimaschützer deutlich mehr Bücher als der durchschnittliche Bundesbürger. Das passt gut zum hohen Akademiker-Anteil der Partei.

Sind Grüne-Wähler schwul oder lesbisch?
Mit Sicherheit überdurchschnittlich viele. Keine andere Bundestags-Partei engagiert sich so sehr für die Anhänger der gleichgeschlechtlichen Liebe. Allenfalls noch die Linke. Das kommt nicht von ungefähr. In der Grünen-Fraktion sitzen etliche lesbische Frauen und schwule Männer.

Niemand setzt sich so sehr gegen die Diskriminierung von Minderheiten ein: für Homosexuelle, Bisexuelle, Transgender, Behinderte und Ausländer. 30 % aller Lesben, Schwulen und homosexuell verheirateter Paare wählen die Grünen (AfD: nur 3 %). Unter Akademikern findet man diese Liebes-Neigungen weit öfter als in anderen Bevölkerungsschichten.

Urlaubsverhalten
Wer grün wählt, reist und fliegt überdurchschnittlich gern und oft durch die Welt. Die beliebtesten Reiseziele sind nicht Mallorca, die Côte d’Azur, Rom oder Spanien. Die Grünen zieht es oft zu Orten, die man gern als Geheimtipp bezeichnet. Also Landschaften, die vom Tourismus nicht so sehr heimgesucht sind.

Sind die Grünen reiche Leute?
Im Gegensatz zu den Anfängen der Bewegung trifft das heute auf einen großen Teil zu: auf hohe Beamte, Wissenschaftler und Studienräte – Frauen und Männer gleichermaßen. Jeder Dritte verdient allerdings weniger als 1.500 Euro im Monat. Ein Großteil der Grünenwähler besteht nämlich aus Studenten. Wird aller Voraussicht nach in Zukunft ziemlich wohlhabend leben.

Vor allem junge Frauen von der Uni haben ein Faible für positive Flüchtlingspolitik, für Klima-Kundgebungen und einen biologischen Ernährungsplan. Arbeiter, Hartz4-Empfänger und Arbeitslose haben für die Grünen meist nicht viel übrig. Das sind eher die Zielgruppen der Linken und der SPD.

Sind die Grünen weltoffen und vorurteilsfrei?
Diese Frage ist nur als Witz gemeint. Natürlich sind sie das. Sie befürworten eine bunte Gesellschaft, in der Flüchtlinge aller Art willkommen sind. Je mehr Afrikaner und Orientalen nach Deutschland fliehen oder geschleust werden, desto wohler fühlen sich die Grünen. Es dürften ruhig 5 oder 10 Millionen sein. Dabei ist es ihnen scheinbar egal, ob die Migranten vor dem Krieg geflohen sind, verfolgt wurden oder sich von Deutschland nur wirtschaftliche Vorteile versprechen.

Wähler-Fluktuation
Viele junge Menschen wählen erst seit kurzer Zeit die Grünen. Erst seit die AfD im Aufwind ist, machen gut 15 Prozent ihr Kreuzchen nun bei Baerbock, Göhring-Eckhardt, Schulze, Hofreiter und Claudia Roth statt bei den SPD-Kandidaten.

Wohnsitz der Grünen-Wähler
Die meisten leben Innenstädten, vor allem in Universitätsstädten. In Berlin, München, Hamburg, Bremen, Stuttgart, Frankfurt, Freiburg, Tübingen, Heidelberg, Göttingen, Erlangen, Kassel, Münster und Darmstadt.

Auch das legt den Schluss nahe, dass der typische Grünenwähler etwas mit akademischer Ausbildung zu tun hat. Allerdings spielt auch der zunehmende Stadtverkehr, die schlechtere Luft und die ungünstige Mietsituation eine gehörige Rolle für das Wahlverhalten der Großstädter.

 

Sind die Grüne die besseren Schauspieler?
Wer grün wählt, ist ein guter Mensch – ein Retter und Weltverbesserer. Er setzt sich fürs globale Klima ein. Und somit für unser aller Gesundheit. Vor allem intellektuell gebildete Menschen, Akademiker (Lehrer, Juristen, Ärzte), junge Leute und Frauen heißen Flüchtlinge herzlich willkommen. Die Grünen stehen ein für die homosexuelle Ehe. Sie sind gegen Populismus und Rechtsextremismus. Soweit, so gut, könnte man meinen.

Doch viele grüne Propheten versuchen, sich ins Privatleben der Massen einzumischen. Uns zu ihren Idealbildern zu erziehen. Sie propagieren Verantwortungsdenken und Nachhaltigkeit in fast allen Lebensbereichen. Beim Reisen, beim Sex, beim Rasen mähen, beim Grillen. Bei der ökologischen Haussanierung, bei der Ernährung, der Verhütung, im Haushalt und bei der umweltfreundliche Mobilität.

Ziel soll es sein, das Leben auf der Erde für künftige Generationen lebenswert zu erhalten. Diese gottgefälligen Parteiziele müssen sich doch zwangsläufig auf die Zuneigung der Deutschen niederschlagen.

Aber nicht immer liegen die Dinge so wie sie auf den ersten Blick scheinen. Es mehren sich Widersprüche in Bezug auf Lippenbekenntnisse und reales Verhalten der Grünen. Da heißt es: kein Mensch auf der Welt ist illegal (gemeint sind Flüchtlinge). Es sei denn, er ist ein Siedler im israelischen Westjordanland. Wir lernen: auf die Perspektive kommt es an!

Freiburg ist ein Vorzeigemodell für eine schon lange von Grünen regierte Stadt. Doch wie gut ist es für die Einwohner, wenn die Mieten in unglaubliche Höhen schießen? Weil es wohlmeinenden grünen Bürokraten gefallen hat, ältere Häuser mit allem möglichen ökologisch-wertvollem Krimskrams aufzurüsten.

Wer ist wichtiger: der Mensch oder die grüne Ideologie? Freiburg liegt nicht in einem stinkenden ostdeutschen Braunkohlerevier, sondern am Rande des Schwarzwalds. Die Umwelt ist noch relativ intakt. Wer für eine Verschlechterung der Lebenssituation verantwortlich ist, muss sich nicht wundern über schlechtere Wahlergebnisse bei der grün angehauchten Studentenschaft in Freiburg oder sonst wo.

Ein Slogan der Grünen lautet: jeder Baum muss geschützt werden. Es sei denn, er steht der Energiewende im Weg. Man unterstützt das Vorhaben der Bundesregierung, die Windrad-Energie von der Nordsee nach Süddeutschland zu tragen (Stromtrasse von Nord nach Süd). Für solch hehre Ziele dürfen schon mal Baumgruppen abgeholzt werden.

Während man in diesem Beispiel das kleinere Übel einem großen Ziel unterordnet, kommt die Äußerung einer prominenten Grünen-Politikerin wie ein schlechter Scherz daher. Katharina Schulze – eine „Weltretterin“ par excellence – patzte neulich, als sie zugab, dass sie gern und viel fliegt. Sie war in Kalifornien, weil das Eis im sonst so verteufelten Plastikbecher dort so fantastisch schmeckt.

Ist bei solchen Denkweisen nicht die gesamte grüne Umweltpolitik ein schlechter Witz? Ebenso wie der weise Spruch: mein Bio-Strom kommt aus der Steckdose, nicht aus dem Kernkraftwerk.

Eine Umfrage hat herausgefunden: von allen Wählergruppen fliegen die Grünen am häufigsten und am weitesten. Jeder zweite fliegt mindestens einmal pro Jahr. Das kann er sich leisten, weil er gut verdient. Ein Flugzeug emittiert schließlich kein Glyphosat.

Auf der anderen Seite würden diese Leute ihren Mitbürgern das Fliegen und vor allem Billigflüge am liebsten verbieten. Dem Klimaschutz zuliebe soll der Urlauber per Bahn nach Mallorca oder Malaga fahren. Na Danke schön! Flugzeug-Abgase sind unbestreitbar Gift für die Luft. Aber wenn man sich selbst nicht an sein politisches Glaubensbekenntnis hält: wie glaubwürdig ist dann noch der grüne Klimaschutz?

Die Grünen können sich freuen. In den Jahren 2018 und 2019 sieht es so aus als könnte sich die Öko-Partei in der Nähe der 20 Prozentmarke festsetzen. Das ist zweifellos ein politischer Erfolg. Doch es mehren sich die Zeichen, dass es auch wieder rückwärtsgehen könnte. Wenn man nämlich gewisse Bevormundungen übertreibt. Und wenn man uns immer wieder die Verbrechen der Nazi-Diktatur unter die Nase reibt. Was kann ich dafür? Mein Opa war im Krieg und ist schon seit 40 Jahren tot.

Grüne Politiker und akademische Moralisten stehe nicht nur wegen der Fliegerei in der Kritik. Sondern vor allem wegen ihrer fast unerträglichen Besserwisserei. Redefreudig, wie vor allem die jungen Damen aus der Fraktion sind, wissen sie scheinbar auf alles eine bessere Antwort. Der Begriff „Deutschland“ ist dem Bundesvorsitzenden der Grünen, Robert Habeck, zum Kotzen widerwärtig. Aber scheinbar nicht unangenehm genug, um vom Staat ein stattliches Gehalt zu kassieren.

Grüne Gutmenschen möchten der Umwelt zuliebe alles verbieten, was irgendwie Spaß macht. Nach Schulmeister-Manier und mit dem Zeigefinger nach oben machen sie anderen Menschen ein schlechtes Gewissen. Wenn sie mit dem Auto fahren statt mit Fahrrad oder Bahn. Wenn sie gern Fleisch und Wurst essen statt Tofu, Körner und Gemüse aus biologischem Anbau.

Eine unglaubliche böse Hobbygärtner-Zunge behauptet im Internet: die meisten Grünen, die er kennt, haben gar keinen Schimmer von Naturschutz. Oder sie haben sie illusionäre Vorstellungen. Oder das Thema interessiert sie gar nicht wirklich.

Das Projekt „Frösche schützen“ und „die Welt retten“ ist scheinbar hervorragend geeignet, um in einer saturierten Wohlstandsgesellschaft Wählerstimmen einzufangen. Sogar in einem Land, in dem Umweltschutz viel größer geschrieben wird als in allen anderen Ländern der Erde.

Tut man dem Wolf oder Luchs wirklich einen Gefallen, wenn man seine Ansiedlung in einem für ihn lebensfeindlichen, dicht besiedelten Gebiet wie Deutschland fördert? Welcher Natur-Romantiker denkt schon darüber nach?

Ein Sache, die nervt ohne Ende: die ignoranten Nicht-Akademiker sollen politisch unkorrekte Worte vermeiden wie: Ausländer, Farbige, illegale Einwanderer, Asylant, Asylbewerber. Sogar die uralten Begriffe „Mohrenkopf“, „Negerkuss“ und „Zigeunerschnitzel“ sollen dem Linguistik-Wahnsinn zum Opfer fallen. Auch das Nickerchen am Nachmittag steht unter dem Verdacht, rassistisch zu sein. Glaubt man, damit Wählerstimmen zu gewinnen?

Hat man je einen Afrikaner objektiv danach gefragt, ob er solche Worte überhaupt versteht oder sich an ihnen stört? Ich denke, die haben ganz andere Sorgen. Solche Einstellungen könnten den Grünen noch böse aufstoßen. Weil die Menschen irgendwann genug haben von den mehr als zehn Geboten der vermeintlichen Bessermenschen.

Unglaubwürdigkeit in Bezug auf Flüchtlinge: wer verbietet es gut verdienenden Multikulti-Fans eigentlich, im trauten Heim einen heimatlos Gewordenen aus Afrika oder Nahost aufzunehmen? Damit wären fast alle Asylanten- und Integrationsprobleme erledigt.

Sie könnten mit gutem Beispiel vorangehen. Sie könnten Asylanten im Bio-Rapsgarten artgerecht, abgas- und laktosefrei halten. Dann würden vielleicht auch andere Bürger nachziehen. Aber so weit reicht die Flüchtlings-Begeisterung dann doch nicht. Weil das dolce vita dann vermutlich vorbei wäre.

Davon abgesehen verherrlicht man mit dem Hohelied auf arabische und afrikanische Flüchtlingen genau solche Männer, deren Frauenbild im krassen Gegensatz steht zu dem der Partei-Emanzen und ihrer männlichen Kollegen. Diesbezüglich hört man nur wenig Kritik. Weil die Grünen auf diesem Auge scheinbar blind sind.

 

Grüne Partei bei jüngeren Landtagswahlen

Die Wahl in Bayern
Die Umwelt-Partei konnte einen Teil der CSU-Mitglieder von ihren Qualitäten überzeugen. Die Münchener (30 % für die Grünen) sind verständlicherweise extrem unzufrieden mit den Mietpreisen in der Hauptstadt.

In anderen Städten und auf dem bayerischen Land hatte so mancher wohl genug von der absolutistischen Regierung der CSU. Und von den Querelen um Horst Seehofer. So ist es nicht verwunderlich, dass die Grünen mit 18 Prozent als der große Gewinner und als zweitstärkste Partei in Bayern da stehen.

Das haben sie vor allem den Städtern und den jungen Wählern zu verdanken. Alte und Rentner schenken ihr Vertrauen nach wie vor der Christlich-Sozialen Union (45 %). Die CSU verzichtet zugunsten der Freien Wähler auf eine Koalitions-Regierung mit den Grünen. Weil die Unterschiede zur Öko-Partei scheinbar zu groß sind.

Hessenwahl
Der Trend der Bayernwahl hat sich wenige Wochen später hier fortgesetzt. Die CDU ist mit nur 27 Prozent überraschend schwach auf den Beinen. Der alte und neue Koalitionspartner, die Grünen, hingegen genauso stark wie die SPD: bei 19,8 Prozent. In Hessen kann die AfD mit 13,1 Prozent stärker punkten als in Bayern. Wieder sind die Grünen die eigentlichen Gewinner. So dass sie künftig mehr Verantwortung tragen dürfen.

Ausblick Landtagswahl in Bremen
Demnächst finden im Stadtstaat Bremen Wahlen zur Bürgerschaft statt. Auch in der Hansestadt können sich die Grünen gute Chancen ausrechnen, das bisherige Ergebnis von 15 Prozent zu verbessern. Und somit an der Regierungsbildung beteiligt zu sein. In großen Städten sind aufgrund des hohen Akademiker-Anteils die Grünen meist sehr erfolgreich. Die Erzfeinde von der AfD hingegen weit weniger.