Single-Urlaub

Faszination Jakobsweg: Eindrücke beim Pilgern nach Spanien

Warum ist der Jakobsweg so beliebt?

Immer mehr Leute entschließen sich dazu, auf dem Jakobsweg zu pilgern. Der Weg ins spanische Santiago de Compostela scheint so etwas wie ein Heilsbringer zu sein für Menschen in einer immer schwieriger, schneller und undurchsichtiger werdenden Welt – durch Globalisierung, Corona-Epidemie, Energie- und Klimakrise.

Doch wo genau liegen die Gründe für eine solche Aktivreise? Worin genau liegt die Faszination des Jakobswegs? Ist es nur die Teilnehmer-Urkunde, die am Ende der Wanderreise durch Westeuropa winkt? Wohl kaum!

Übrigens: den einen Jakobsweg, den gibt es nicht. In allen Ländern gibt es mehrere Routen, die als Jakobsweg ausgeschildert sind. Die deutschen Strecken münden ein in vier französische Haupt-Wanderrouten: Ganz im Norden an Paris vorbei, in der Mitte über Dijon, Bourges und Périgueux (Aquitanien). In Südfrankreich pilgern die Menschen über Lyon, an der Abteil von Moissac/ Garonne vorbei zur spanischen Grenze. An der Mittelmeerküste verläuft der Jakobsweg über Arles an der Rhone, über das Languedoc und Toulouse zu den Pyrenäen.

Die Reiseplanung: viele Menschen entscheiden sich für den kurzen spanischen Jakobsweg, also die letzten 100 oder 200 Kilometer. Andere planen deutlich mehr Zeit ein, um sich zum Beispiel von Frankfurt aus auf die 2.000 km lange Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela zu begeben. Wer pro Tag 50 Kilometer bewältigt, braucht dazu immerhin 6 Wochen. Der ganze Jahresurlaub kann dafür drauf gehen. Doch nun zeige ich Ihnen endlich, warum so viele Menschen aus ganz Europa sich auf den Jakobsweg aufmachen. Was finden sie so faszinierend daran?

 

Der ursprüngliche Grund: die Religiosität
Der Apostel Jakobus, der nach der Kreuzigung Christi den Heiden in Spanien das Christentum predigte, liegt einer Legende nach an der Stelle begraben, wo später im Mittelalter die Kathedrale von Santiago de Compostela zu seiner Erinnerung errichtet wurde.

Ungefähr ab dem 9. Jahrhundert begannen die ersten Mönche, auf verschiedenen Jakobswegen nach Galicien zu wandern und ihren Gott zu suchen. In einer Zeit, wo das noch sehr viel gefährlicher war als heute. Sie kamen aus halb Europa: aus Britannien, aus dem Fränkischen Reich, aus Sachsen, Rom und aus dem bereits katholischen Irland.

Dieser Tradition folgend pilgern auch heute noch viele Gläubige nach Santiago de Compostela, um an diesem heiligen Wallfahrtsort Erlösung von ihren Fehltritten zu erlangen oder die Lösung ihrer Probleme zu finden.

 

Sinnkrise und Selbstfindung als Motivation für die Pilgerfahrt nach Santiago
Viele Menschen haben das Gefühl, in der Hektik der modernen Industriegesellschaft das eigentliche Ich verloren zu haben. Für sie liegt der Grund für die Reise nach Nordspanien in einer spirituellen Selbstfindung und Selbsterfahrung. Auf den langen Wanderstrecken des Jakobswegs erhoffen sie sich eine Art von Meditation – einen tiefen inneren Frieden, der es ihnen ermöglicht, den Kern ihrer Persönlichkeit zu entdecken. Um daraus mögliche Konsequenzen zu ziehen fürs künftige Leben und für eine glücklichere Zukunft.

Zu den spirituellen Erwartungen gehört nicht nur der Drang zur Selbstfindung. Sondern auch die tief in unseren Genen verwurzelte Sehnsucht nach einem einfachen, ursprünglichen Leben, ohne technischen Firlefanz. Aber auch die Wahrnehmung der Langsamkeit, die uns völlig abhandengekommen ist.

Wer hat heute noch Zeit oder Lust, sich an einer grünen Wiesenlandschaft zu erfreuen, den Rehen, Kühen oder Pferden beim Grasen zuzuschauen? Oder dem Kaninchen, wenn es die Ohren spitzt oder mit dem Nachwuchs spielt. Da schaut man doch lieber aufs Smartphone, was es Neues gibt im Freundeskreis und in der faszinierenden Welt des Internets.

 

Wundervolle touristische Eindrücke auf dem Jakobsweg
Viele junge Menschen und Senioren werden nicht müde, in alle Welt zu verreisen. Sie wollen etwas erleben, die Kultur und die Strände fremder Länder kennenlernen. Sie geben ihr ganzes Geld aus für Naturerlebnisse in Kanada oder Afrika. Oder um die Sehenswürdigkeiten in Griechenland, in den USA, am Nil oder in Indien in sich aufzunehmen. Gemessen an solchen Pauschalreisen oder lupenreinen Singlereisen ist die Wanderschaft nach Santiago de Compostela der reinste Billigurlaub.

Doch was ist mit der Faszination des Jakobswegs? Worin liegt der touristische Reiz dieser ehemals heiligen Pilgerstrecke nach Spanien? Es sind sicher nicht die ganz großen Aha-Erlebnisse wie der Grand Canyon, die Chinesische Mauer, New York und die Niagarafälle oder der Königspalast in Bangkok.

Es sind vielmehr die vermeintlich kleineren Eindrücke aus der Natur, von der sich viele Pilger angezogen fühlen: die saubere Luft des relativ dünn besiedelten Frankreich und des spanischen Nordens. Die Tierwelt der Pyrenäen, die Abgeschiedenheit des Zentralmassivs. Der Zauber französischer Weinlandschaften, die den Bordeaux-Rotwein und den Cognac hervorbringen, Bauwerke aus der Renaissance und nicht zuletzt die christliche Kathedrale von Santiago de Compostela selbst, als krönender Abschluss der Wanderreise.

Die Zivilisationsmüdigkeit vieler Wander-Touristen äußert sich auch im naturnahen Leben auf dem Jakobsweg: einfaches Essen, klares Wasser aus dem Bach, fast kein Komfort, relativ einfache Unterkünfte an der Strecke. Und das Gefühl, auf die eigene körperliche Leistungsfähigkeit vertrauen zu können. So primitiv sind einst auch die mittelalterlichen Mönche zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Christenheit gepilgert. Bei einer solchen Wanderung wird vielen Menschen klar, wie wenig man doch eigentlich zum Leben braucht.

 

Der Jakobsweg als Hilfe für essentielle Lebensentscheidungen
Soll ich diese Person, von der ich so fasziniert bin und in die ich mich verknallt habe, wirklich heiraten? Soll ich nach München umziehen, um dort einen neuen Job anzutreten? Sollen wir bald nach der Hochzeit oder erst später Kinder bekommen? Wie wird mein Leben als Single in 10 Jahren aussehen?

Soll ich weiterhin der Karriere den Vorzug geben anstatt meine ureigenen Träume zu verwirklichen? Wie kann ich den Tod meiner Eltern oder den Verlust des Arbeitsplatzes verwinden? Was könnte ich an meinem traurigen Dasein oder an meinen schädlichen Gewohnheiten ändern? Das sind Fragen, welche viele Menschen beschäftigen. Bei Gesprächen mit Pilgern auch aus anderen Ländern ergeben sich manchmal alternative Sichtweisen.

Das Zuhause – ständiges Handy-Klingeln, Partys und Besuche – oder auch der zweistündige Spaziergang am Sonntagnachmittag ist nicht dazu geeignet, die nötige Ruhe für geeignete Antworten zu finden. Auf dem Jakobsweg sind die Pilger, wenn sie es so wollen, über weite Strecken allein auf weiter Flur. Sie haben genügend Zeit, um auf die innere Stimme zu hören, ohne durch Nichtigkeiten abgelenkt zu sein wie E-Mails, Bilder verschicken, soziale Netzwerke, Partnersuche, Versicherungsfälle, Reiseplanungen oder mit dem Einkaufszettel für den Supermarkt.

 

Sportliche Gründe für das Wandern nach Spanien
Die Tour – selbst wenn sie nur auf den letzten 200 Kilometern in Galicien stattfindet – ist für Alt und Jung eine körperliche Herausforderung. Die Aktivreise durch das Rheinland, durch Lothringen, durch das Rhonetal, durch Südfrankreich und durch den wilden Norden Spaniens fordert unserem Körper erst recht einiges ab.

Aber nicht nur ihm, sondern auch unserer mentalen Stärke. Der innere Schweinehund will täglich besiegt werden. Er gaukelt uns beim Radfahren, Reiten oder Wandern über den Jakobsweg immer wieder vor, wie sinnlos es doch sei, sich über so viele hunderte Kilometer zu quälen statt gemütlich an einem Strand in der Sonne zu chillen.

Viele Büromenschen, die im Alltag nicht genügend Zeit finden, um Sport zu treiben, sehen die Pilgerreise nach Spanien als eine gute Gelegenheit, durch das Walken über Berge und Hügel, durch Felder und Wälder etwas für ihre Fitness zu tun. Oder sich selbst zu beweisen, wozu sie imstande sind. Ein kleiner Nebeneffekt ist sicher auch das Genießen der französischen und spanischen Küche. Beim Essen darf ruhig ein wenig gesündigt werden, denn das Wandern verbraucht schnell wieder die Kalorien.

 

Der Jakobsweg für die seelische Gesundheit
Viele Europäer und Amerikaner leiden unter einem Burnout. Dieser wird von Ärzten mit Depressionen und Überforderungen in Zusammenhang gebracht. Und mit der Entfremdung des Homo sapiens von seiner eigentlichen Bestimmung. Auch die Steinzeitmenschen hatten schon Stress ohne Ende. Sie mussten auf der Jagd Tiere erlegen und waren ständig in der Gefahr, von Bestien angegriffen und zerfleischt zu werden.

Unsere heutigen Jagdgründe liegen nicht in der freien Natur, sondern im Büro, in der Fabrik und in der Flirt-Disco. Statt sich zu bewegen, sitzen die meisten von uns viele Stunden vor dem Fernseher. Die Hetze des Alltags und die Versklavung durch immer perfektere Technologien fordern ihren Tribut. Wir werden körperlich krank und depressiv. Um aus der Tretmühle auszubrechen, sehen viele Menschen den Jakobsweg mit seinen vielfältigen Eindrücken als geeigneten Ausweg, um noch für eine Weile gesund zu bleiben.

 

Singles wollen unbekannte Menschen treffen
Die Jakobswege verlaufen durch ganz Westeuropa. Englische Pilger kommen über den Ärmelkanal ins Franzosenland. Die Italiener strömen über die ligurischen Alpen, über die Provence und Toulouse nach Spanien. Die Österreicher nehmen den Weg über die Schweiz. Auch junge Menschen und Alleinstehende aus Frankreich, Belgien, Holland und Tschechien lernt man auf den verschiedenen Jakobswegen kennen. Sogar viele Amerikaner haben von der Faszination dieser Pilgerwanderungen erfahren.

So ergeben sich viele Möglichkeiten, auf diesem außergewöhnlichen Single-Trip seinen Erfahrungs-Horizont zu erweitern und sich mit ausländischen Singles zu unterhalten. Für Verheiratete ist der Jakobsweg eine gute Möglichkeit, durch gemeinsame Erlebnisse den Zusammenhalt der Familie zu stärken. Und sich bewusst zu machen, dass es auf der Welt noch mehr gibt als teure Weihnachtsgeschenke und Pauschal-Familienreisen. Wer mit Kindern unter 12 Jahren auf dem Jakobsweg pilgert, sollte sich auf die spanische Zielgerade von Bilbao oder Santander nach Santiago konzentrieren. Andernfalls wird es zu anstrengend.