Chatroulette: Kennenlernen mit Zufallsprinzip

Kurztest von Chatroulette.com

Chatroulette ist ein Webcam-Portal, bei dem sich zufällig ausgewählte Singles aus aller Welt kennenlernen können. Hier eine Analyse der Chatseite.

Chatroulette in der Anfangszeit
Ursprünglich war das Webcam-Portal die Idee eines halbwüchsigen Russen aus Moskau. Er programmierte eine Kontaktseite, auf der sich Menschen aus aller Welt nett unterhalten sollten. Man konnte im Video-Chat via Zufallsprinzip junge Leute rund um den Globus antreffen und kennenlernen. Mit ein wenig Glück war nach dem Startup Ende 2009 sogar das Finden einer Ehefrau bzw. eines Lebensgefährten möglich.

Monat für Monat stiegen die Besucherzahlen im Chatroulette rasant an. Bereits nach 12 Wochen war die Millionengrenze geknackt. Der Bekanntheitsgrad wurde noch gesteigert, als etliche Stars hier präsent waren. Doch schon bald wendete sich das Blatt. Das Niveau und vor allem das Verhalten der Chat-Teilnehmer sank in den Keller. Von pornografischen Inhalten war die Rede. Sogar Selbstmorde wurden vorgegaukelt. In der Öffentlichkeit wurde harsche Kritik laut. Nicht zuletzt von Kinder- und Jugendschutzverbänden.

 

Chatroulette heute
In unserer Zeit ist von der ehemaligen Grundidee einer spaßigen internationalen Community nicht mehr viel übrig geblieben. Multikulturell ist das Kennenlernen per Webcam zwar immer noch. Aber wenn man die eingeblendeten Bilder betrachtet, wähnt man sich auf einer schäbigen Erotikseite oder auf einem billigen Schmuddelportal.

Ob man will oder nicht: ständig regnet es erigierte Penisse auf die weiblichen Userinnen herab. Manche Männern scheinen Rubbel-Weltmeister zu ein. Andere befummeln ihre Eier. So einen unterirdisch niveaulosen Chat habe ich bei meinen Testreihen noch nicht erlebt. Wenn man wenigstens noch ein paar virtuelle Webcam-Girls kennenlernen würde, die ihre Reize zeigen. Aber nein: Mädchen und Frauen haben überhaupt keinen Zug zu dieser Wichsparade im Sekundentakt.

 

Welche Menschen interagieren bei Chatroulette
Gehen wir den Testbericht sachlich an und beschreiben die Teilnehmer. Wie schon erwähnt, kommen die User aus vielen Ländern der Erde, vor allem aus den USA, aus Deutschland und Lateinamerika.

Fast ausschließlich sind es Männer, die auf ein zufälliges Kennenlernen einer Dame hoffen. Das tun sie nicht auf herkömmliche Art und Weise mit Flirtsprüchen, mit Fragen oder netten Komplimenten. Sondern indem sie ihr Geschirr auspacken und sich dort befummeln. Und trotzdem sind jeden Tag immer noch Hunderttausende Nutzer täglich online.

 

Anmeldung bei Chatroulette
Um das Portal bedienen zu können, bedarf es einer funktionierenden, neuartigen Webkamera. Nachdem man die Webseite https://chatroulette.com/ aufgerufen hat, muss man zunächst sein Gerät einschalten und verifizieren.

Dann klickt man auf den Start-Button. Anschließend erscheinen zwei Webcam-Fenster auf dem Bildschirm: das eigene etwas kleiner und das des fremden Chatpartners im Großformat. Um die Kommunikation in Gang zu bringen, kommt nun der erste Partnervorschlag, mit dem man sich in Ton und Bild unterhalten kann.

Ursprünglich war beim Chatroulette gar keine Registrierung vorgesehen. Die jungen Leute aus aller Welt konnten am Zufalls-Roulette teilnehmen, ohne irgendwelche Daten über sich preiszugeben.

Das änderte sich erst, als das Chat-Portal mehr und mehr in Verruf kam und an Bedeutung verlor. Um für mehr Sicherheit zu sorgen, forderte der russische Betreiber ab dem Jahr 2012 eine reguläre Anmeldung. Von nun an mussten Neulinge eine Alterserkennung (Gesicht) durchlaufen, einen Benutzernamen posten, die E-Mail-Adresse und ein Passwort. Doch auch das half nicht viel. Die Talfahrt des Webcam-Portals setzte sich immer weiter fort.

Das lag nicht nur an pornografischen Live-Darstellungen im Chatroom und an den eingespielten Videos im Chatroulette. Sondern auch am sinnlosen und frustrierenden Wegklick-Verhalten der teilnehmenden Singles, das ein Gespräch und ein Kennenlernen fast unmöglich machten.

Sobald ein nach dem Zufalls-Algorithmus ausgesuchter User im Webcam-Window vorgestellt wird, kommt es oft schon nach dem ersten Wimpernschlag zum Wegwischen. „Der nächste bitte“, der „Next-Button“ wird von vielen Frauen und Männern im Sekundentakt angeklickt. Ein Zurückholen dieses Kontaktvorschlages ist unmöglich. Tinder lässt schön grüßen.

Ein großes Problem bei Chatroulette ist die fehlende Kontrolle bei Neuanmeldungen. Die Gesichtserkennung können Teenager leicht austricksen. Zwar steht in den AGB, dass sich nur Menschen ab 18 anmelden dürfen. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Chatseiten und Kontaktbörsen werden aber noch nicht mal Stichproben genommen. So können sich auch Jugendliche und sogar Zwölfjährige registrieren, ohne zurückgewiesen zu werden.

Irgendwie übt oder übte das Roulette-Spiel nach dem Zufallsprinzip auf viele Teenies einen großen Reiz aus. Vor allem auch dank manipulierter, realitätsferner Darstellungen. Etliche User zeigten nicht sich selbst vor der Webcam, sondern spielten irgendwelche Videos ein mit allerlei Fantasy-Themen, Suiziden und sexuellen Handlungen. Solche Aktivitäten können zwar dem Admin gemeldet werden. Da die Akteure jedoch nur minimale Strafen erhalten (Monats-Sperre), ändert sich nichts am niedrigen Niveau der Chats.

 

Kostenfrei und kostenlos bei Chatroulette
Im Grunde genommen ist das Zufalls-Portal kostenlos nutzbar. Darüber muss man nicht viele Worte verlieren. Das einzige was an Kosten anfällt, ist gegebenenfalls der Kauf einer Webcam. Dann kann der Chat-Spaß im Prinzip losgehen.

Wieso kann Chatroulette sich den Verzicht auf Beitragszahlungen finanziell leisten? Das ist schnell erklärt. Die Seite finanziert sich über Werbung. Immer wieder werden am Bildschirm Werbebanner angezeigt. Wenn ein User dort drauf klickt und etwas kauft, erhält der Webmaster eine Provision. So läuft das Spiel.

Es gibt sogar eine Premium-Mitgliedschaft bei Chatroulette. Die kostet 10 Dollar für 100 Chatkontakte und 50 Dollar für 500 Chats. Ja, es könnte sich vielleicht lohnen, dieses Geld zu investieren. Nun kann man nämlich entscheiden, welche Singles man kennenlernen möchte. Die Suchfunktionen umfassen die Paramater Alter, Geschlecht und das Land, wo jemand wohnt. Wer also zum Beispiel hübsche Frauen aus der Karibik im Chat treffen möchte oder von den Philippinen, kann das gezielt angeben.

 

Besondere Funktionen bei Chatroulette
Wie schon erwähnt, kann ich kaum irgendwelche Features erkennen, die einer Erwähnung wert wären. Das Herausragende bei diesem Videochat-Portal ist der visuelle Kontakt, das sich sehen und miteinander sprechen können, wie bei Skype.

Chatroulette könnte theoretisch ein tolles Portal sein, wenn hier mehr kontrolliert würde. So dass das Publikum nicht nur aus Wichsern und Kiffern bestehen würde. Sondern aus halbwegs normalen und amüsant kommunizierenden Singles aus aller Welt.

Bei meinem Test wurde mir des Öfteren die Chat-Nachricht präsentiert: „Deine Visage gefällt mir nicht“ oder „I don’t like your face“. Und schon wurde ich weggeklickt, um beim übernächsten zufällig ermittelten Vorschlag das Gleiche zu erleben. Diese Art von Partnersuche kommt mir extrem oberflächlich vor.

 

Mein Fazit
Chatroulette scheint immer noch nicht außer Mode sind. Noch immer nutzen täglich Hunderttausende User die Zufalls-Plattform. In der Hoffnung, mit eingeschalteter Webcam interessante Bekanntschaften zu machen und sich zu verlieben.

Allerdings kann von wirklichem Kennenlernen keine Rede sein. Was man sieht, sind auf allerlei Art gerubbelte Penisse, Waschbrettbäuche und Männer-Muskeln. Frauen, die am Chatroulette teilnehmen, werden nicht selten aufgefordert, ihre Brüste zu zeigen oder sich auszuziehen. Aber so gut wie keine nackte oder halbnackte Mädels treten vor die Webcam. So macht diese so genannte Chat-Community Null Spaß.

Für die Partnersuche ist dieses Roulette-Spiel komplett daneben. In der kurzen Zeit, die die meisten User sich lassen, um auf „Next“ zu klicken, kommt es fast nie zum Austausch von Kontaktdaten, Telefonnummern oder Skype-Namen.

Daher mein abschließendes Urteil: Chatroulette ist in meinen Augen völliger Quatsch und totale Zeitverschwendung. So gut der junge Russe es auch gemeint haben mag: das Chat-Portal ist ihm völlig aus den Händen geglitten. Heutzutage tummeln sich im Videochat nur noch Perverslinge und Spinner der übelsten Sorte.

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