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Beziehungsstress: wenn einer den anderen dominiert

Machtspiele in der Partnerschaft

Ist eine Liebesbeziehung ohne Macht-Geplänkel möglich? Ist es nötig oder wünschenswert, dass der eine den anderen mehr oder weniger dominiert? Oder ist das Gleichgewicht der Kräfte ein Garant für eine langlebige Beziehung?

Auch wenn sich diese Fragen für frisch Verliebte ganz unmöglich anhören mögen: so realitätsfern ist das nicht. Dieser Artikel will ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Eine weit verbreitete Beziehungs-Problematik verschwindet nicht dadurch, dass man sie ignoriert.

 

Stress für die Liebe durch Machtspiele
Am Anfang ist man gegenüber seinem Schatz tolerant. Man sieht vielleicht schon seine Schwächen. Bildet sich aber ein, sie seien ulkig, geringfügig oder sogar liebenswert. Oder man sagt: „Das gibt sich schon“.

Diese großzügige Sichtweise ändert sich mit der Zeit – sobald der graue Alltag die große Leidenschaft eingeholt hat. Spätestens jetzt beginnen unterschwellig Kämpfe um die Vorherrschaft in der Beziehung. Man versucht immer mehr, seine Interessen durchzusetzen. Indem man die Gedankenwelt des Partners im eigenen Sinne manipuliert.

Dazu kommen verschiedene Techniken zum Einsatz. Man beeinflusst die Kinder für ein Vorhaben am Wochenende. Man bedient sich der psychologischer Spielchen, um Nadelstiche auszuteilen und der dominierende Part zu werden.

Wenn die Liebe nachgelassen hat, ist das – in friedfertigen Bahnen praktiziert – ein normaler Vorgang. Unter bestimmten Voraussetzungen sind solche Vorkommnisse noch kein Grund, sich große Sorgen zu machen.

Solange sich keine erdrückende Stärke entwickelt. Solange keiner mit Sex-Entzug droht. Solange fundamentale Bereiche der Liebe nicht berührt werden (Treue, Respekt). Und solange keiner versucht, seine Wünsche permanent, aggressiv oder mit unfairen Mitteln durchzusetzen.

 

Dominanz-Streben von Anfang an
Schon zu Beginn einer Liebesgeschichte kristallisiert sich heraus, wer von beiden die Hosen an hat. Wer später seinen Kopf durchsetzen wird.

Schon bei der ersten Verabredung ist für den neutralen Beobachter zu erkennen, wer später in der Beziehung den aktiven Part spielen wird. Das ist nicht schwer zu erraten. Meist ist es derjenige, der jetzt schon mehr redet und die Richtung beim Date vorgibt:

Wir treffen uns da oder dort. Hier hast du meine Telefonnummer. Nächstes Mal machen wir dies oder das. Küsschen und Tschüss. Meistens ist der Mann zunächst der Terminator. Weil er weniger romantisiert als seine Date-Partnerin. Auch zu Beginn der Beziehung gibt er in vielen Fällen den Ton an.

 

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zu Beziehungsthemen und Partnersuche

 

Frauen an die Macht – wie Damen das Ruder übernehmen
Nicht selten ist sie es, die sich beim Date und in der Folgezeit bescheiden gibt. Sie vertraut darauf: irgendwann wird sie ihn schon um den Finger wickeln. Tatsächlich ist diese Hoffnung nicht unbegründet. Denn Frauen haben uns Männern gegenüber gewisse Vorteile: ihre Überlegenheit in der „Manipulation“ eines Menschen und in der sozialen Kompetenz.

Warum sind viele Mädels zu Beginn einer Beziehung so zögerlich und vergleichsweise anspruchslos? Sie haben ein Gespür dafür: wer dominant ist, kriegt erst gar keinen Mann. Die Kerle schrecken nämlich vor zu selbstsicheren Partnern zurück.

Also geben die Damen am Anfang bei Interessenkonflikten häufig nach. Sie spielen die passive Rolle. Doch je länger sich eine Ehe bzw. Beziehung hinzieht, desto mehr übernehmen sie durch geschickte Strategie das Zepter.

Bei Umfragen geben drei Viertel aller Männer nicht immer schmunzelnd zu, dass Schätzchen das Kommando führt. Sie setzt sich meistens durch, wenn es um die Wahl des Urlaubsortes, um Party-Besuche, um Investitionen oder um die Ausbildung der Kinder geht.

 

Beziehungsstress durch überwältigende Dominanz
Das Problem vieler Ehen liegt auch heute noch darin begründet, dass einer sich freiwillig zu sehr unterordnet. Oder dass der andere eine übermäßig starke Durchsetzungskraft ausübt. Beides kann früher oder später zu erheblichen Beziehungsproblemen führen.

Er macht Karriere. Sie gibt nach der Hochzeit den Job auf. Kümmert sich um Haushalt und Familie. Der Nachwuchs geht in die Kita. Frauchen übernimmt einen 400 Euro-Job. So könnte es doch weiter gehen. Wenn da nicht ihre Sehnsucht wäre, sich beruflich zu verwirklichen.

Wenn die Beziehung über viele Jahre so abläuft, dass der Mann seine Gattin nach Belieben kommandiert (oder auch umgekehrt). Wenn einer immer zurücksteckt und sich unterdrücken lässt: dann bildet sich im Bewusstsein des Dominierten ein quälender Frust.

In dieser Schieflage der Beziehung braucht es nur noch einen kleinen Anlass, bis die Sache eskaliert. Oftmals ist die Unzufriedenheit mit der Ehe und die Verwundung der Seele, dann bereits so weit fortgeschritten, dass es kein Zurück mehr gibt.

Was ist falsch gelaufen?
Statt des Familienglücks wegen seine Bedürfnisse zurückzustellen, hätte der „Unterjochte“ seine Wünsche schon früh lautstark reklamieren müssen. Vielleicht war dem dominierenden Partner gar nicht bewusst, was dem anderen ständig auf der Seele brennt. Wer wartet, bis das Fass der Unzufriedenheit überläuft, riskiert Streit, Stress und im Endeffekt das Scheitern der Partnerschaft.

 

Totale Gleichberechtigung in der Beziehung
Das Idealbild, welches vielen frisch Verliebten vorschwebt, ist ein Leben in Eintracht und Gleichberechtigung. Jeder liest dem anderen seine Wünsche an den Augen ab. Allenthalben herrscht Friede und Harmonie. Theoretisch könnte so die perfekte Ehe aussehen: ein machtpolitisches Patt (balance of power) zwischen Mann und Frau.

Aber auch diese Sache hat einen bösen Haken. Denn jede Beziehung dürstet nach Bewegung, nach Ideen, Veränderungen und lebendiger Spannung. Durch einen herzhaften Streit fegt frischer Wind in die abgestandene Wohnzimmerluft. Wenn unter fairen Bedingungen „die Fetzen fliegen“, kann die Liebe davon erheblich mehr profitieren als durch den Negativstress des satt-zufriedenen Stillstands.

Fehlt es dem Paar an erfrischenden Auseinandersetzungen, weil man immer drauf bedacht ist, sich zurückzunehmen oder dass der andere nicht zu kurz kommt: dann könnte schon nach wenigen Jahren das Gleichgewicht der Kräfte in einer tödlichen Langeweile enden. Beim Sex passiert das wahrscheinlich sowieso.

Von hier aus bis zum Ausbrechen, zum Fremdgehen ist es dann nicht mehr weit. Wohl dosierte Machtspiele haben einen positiven Gesundheitseffekt für eine Langzeitbeziehung. Unterdrückung und fehlende Reibepunkte machen hingegen die meisten Beziehungen kaputt.

Für Singles, die mit allen sieben Sinnen auf Partnersuche sind, gibt es noch einen anderen Punkt zu beachten. Die totale Gleichberechtigung hat noch einen weiteren Nachteil:

Zwei gleichstarke Pole können ein hohes Maß an Emanzipation bedeuten. Allerdings könnte damit schon die Grundlage gelegt sein für Konflikte in der Beziehung. Weil bei einem Streit keiner zum Einlenken bereit ist.

Entscheidend für die Langlebigkeit von tiefen Gefühlen ist die Nachhaltigkeit und das Temperament, mit der wir unsere Standpunkte verteidigen. So kann die Liebe zwischen zwei gleichstarken Menschen eine gesunde Spannung, aber auch unendlich viel Stress und Zerwürfnis bedeuten.

 

Entkrampfung des Machtkampfes als Beziehungsretter
Nur selten erfolgt eine Scheidung von heute auf morgen. Bei einem Seitensprung z.B. kann die Beziehung blitzschnell vor die Hunde gehen.

Normalerweise gehen einer Trennung jedoch immer langwierige Konflikte voraus. Die Eheleute schaffen es nicht, ihre Zwistigkeiten beizulegen. Und einen Masterplan zu entwickeln, wie man künftig mit unterschiedlichen Interessen umgehen wird.

Ein entscheidender Faktor zur Rettung der Partnerschaft ist die Kommunikation. Paartherapeuten raten in einer kritischen Situation zu schonungsloser Offenheit.

Jeder sollte dem anderen am besten schriftlich vorlegen, womit er unzufrieden ist. Ohne die exakte Kenntnis der Kernprobleme ist eine Konfliktlösung nicht möglich. Außerdem muss bei einem Paar grundsätzlich die Bereitschaft zu Zugeständnissen vorhanden sein.

Auf der einen Seite fordert man Dinge ein, die für ein zufriedenes Leben und für mein Selbstverständnis unabdingbar sind. Auf der anderen Seite muss man in Punkten nachgeben, die für den Partner von großer Bedeutung sind.

Zugeständnisse müssen gemacht werden. Keiner darf das Gefühl haben, als Verlierer da zu stehen. Kompromisse fallen vielen Menschen unserer Zeit so unendlich schwer. Sollte dieses Spiel von Nehmen und Geben nicht funktionieren, ist eine Trennung wohl die beste Lösung.

Denn was hat man davon, wenn man sich gegenseitig noch Jahre lang dahin quält? Dann wäre es doch besser, künftig als Single allein zu leben. Vielleicht sogar in der Hoffnung auf einen baldigen Neuanfang irgendwann. Auf eine bessere Beziehung, in der man die Fehler der vorhergehenden vermeidet.