Urlaubsbuchungen: Türkei leidet, Spanien boomt

Türkei-Urlaub und Terror-Angst

Flüchtlinge im Land, den IS im Nacken, Terroranschläge und Bürgerkrieg:
Die politische Lage lässt Urlaubsbuchungen für die Türkei in den Keller stürzen.
Nutznießer dieses Debakels sind vor allem Spanien und Portugal.

Stellt sich die Frage:
Kann man überhaupt noch in islamischen Ländern Urlaub machen?
Wie verhalten sich die Deutschen mit ihren Urlaubsbuchungen –
nach den Bomben-Attentaten in Paris, Brüssel, Ankara und Istanbul.
Wohin geht der Trend?
Gibt es außer Spanien noch weitere gute Alternativen für den Sommerurlaub?

 

Urlaubsboom in Spanien und Portugal
Bevor wir zu den Verlierern auf dem Reisesektor kommen,
sehen wir uns zuerst die Gewinner an.
Spanien, Portugal, die Balearen und die Kanarischen Inseln reiben sich die Hände.
Was sich im letzten Jahr schon andeutete, kommt jetzt zur Geltung.

Bedingt durch Krisen in der Türkei, Ägypten und Tunesien, liegen die
Wachstumsraten bei den Urlaubsbuchungen bei traumhaften 10 bis 25 Prozent.
TUI meldet für die Kanaren einen rekordverdächtigen Anstieg von 35 Prozent.
Nur die Costas auf dem spanischen Festland hinken mit 5 Prozent ein wenig
hinterher. Die Inseln im Mittelmeer und Atlantik aber
sind Touristenmagnete wie schon lange nicht mehr.

Der arabische Terror ist weit entfernt von Teneriffa, Fuerteventura, Mallorca,
Menorca und Ibiza. Keine Bombenanschläge, keine ISIS, keine Flüchtlingsströme.
Strände, Flughäfen und Hotels in Spanien und auf den Inseln sind
nach menschlichem Ermessen sicher. Deutsche und Briten reisen dieses Jahr
wie verrückt an die spanischen Sonnenstrände.

Auch Portugal hat mit 15 Prozent boomende Zuwachsraten.
Die Algarve, die Region Lissabon, Madeira und die Azoren gelten schon lange
als Geheimtipps für einen erholsamen Urlaub.
Durch die Türkeikrise ist Portugal nun gefragter denn je.

Etwas getrübt wird das Urlaubsglück in Spanien und Portugal allerdings
durch empfindliche Preisaufschläge.
Last-Minute-Reisen zu Schnäppchenpreisen gibt es dieses Jahr keine.
TUI, Alltours, Neckermann, Dertour und Thomas Cook haben Mühe,
den Urlauberandrang unterzubringen.
Condor, Ryanair und Lufthansa bieten zusätzliche Flüge an.
In aller Eile werden neue Wohnkapazitäten geschaffen bzw. gekauft.

Das Problem bei spanischen Urlaubszielen liegt also in den gestiegenen Preisen.
Und dass man sich sputen muss, wenn man z.B. auf Mallorca, Lanzarote
oder Gran Canaria noch ein Zimmer haben will.
Palma de Mallorca freut sich in diesem Jahr auf fast 40 Millionen Flugpassagiere.

Als Spätstarten erwischen Sie noch am ehesten ein Hotelzimmer
in den Küstenstädten des Mutterlandes Spanien: Valencia, Barcelona, Almeira,
Malaga, Alicante, Cadiz und Lloret de Mar. Oder eben ein wenig im Hinterland.

 

Urlaubsinsel Mallorca:
Impressionen einer Rundreise

 

Urlaubsbuchungen in die Türkei
Hinter Deutschland selbst, Spanien, und Italien lag die Türkei lange Zeit auf Platz 4
der Reiseziele für die Deutschen. Russen und Deutsche bildeten mit je
rund 5 Millionen Touristen pro Jahr das Rückrat der türkischen Tourismusbranche.
Gut 10% des Bruttoinlandsproduktes der Türkei wurde durch Urlaubsreisen
erwirtschaftet. 2 Millionen Menschen verdienen ihr Geld im Tourismussektor.

Doch dann kamen die Flüchtlinge. Der IS steht an der syrischen Grenze.
Die Kurden geben keine Ruhe. In Ankara und Istanbul kam es zu bösen Terror-
Anschlägen mit Toten. Präsident Erdogan ist auch nicht gerade ein ruhender Pol.
Nach dem Flugzeugabschuss verbot Putin den russischen Reisebüros,
Reisen in die Türkei zu verkaufen. Eine Abwärtsspirale ohne Ende.

Die Folge: Die Russen bleiben ganz weg.
Bei den deutschen Urlaubern ist – laut TUI und Thomas Cook –
von Anfang 2015 bis Anfang 2016 ein Rückgang der Urlaubsbuchungen
um 40 Prozent zu verzeichnen.
Da nutzen auch lächerlich niedrige Schnäppchen-Angebote
und eine verstärkte Polizeipräsenz nichts. Die Menschen wollen einfach nicht
in eine Region fahren, wo es gefährlich werden kann.

Dabei ist die Türkei an und für sich ein sehr attraktives Urlaubland.
Die Strände von Antalya, Alanya, Bodrum, Izmir, Side und Kemer ziehen schon
seit vielen Jahren die Massen aus ganz Europa an.
Nicht zuletzt wegen der niedriger Preise.
Die Türkei ist deutlich billiger als Spanien oder Italien.

Terror schreckt Deutsche ab
Der türkische Tourismusminister wird nicht müde zu betonen,
dass an der türkischen Riviera keine Terrorgefahr besteht.
Aber keiner will es glauben. Die Deutschen sind mehr als zurückhaltend geworden
in Bezug auf eine Urlaubsbuchung in die Türkei.
Erst recht nach den Bombenanschlägen in Istanbul.
Wo unschuldige deutsche Touristen ums Leben kamen.

Wer will garantieren, dass dieses Terror-Attentat nicht speziell gegen Deutsche
gerichtet war? Warum sollen die Bombenleger sich nicht ein Touristenhotel
in Antalya oder Alanya aussuchen?

Wer nun genau hinter den Terroranschlägen steckt, ist eigentlich zweitrangig.
Entscheidend ist das schreckliche Ergebnis.
Der IS dürfte es wohl nicht gewesen sein.
Weil er sich nach einem Attentat (siehe Paris, Brüssel) normalerweise
stolz zu seinen Heldentaten bekennt.

Die Anschläge in der Türkei sind womöglich den Kurden zuzuschreiben.
Die tun alles, um den türkischen Staat zu schwächen. Auch auf wirtschaftlicher
Basis. Aber müssen deswegen unschuldige Menschen sterben?
Was sind das für „Freiheitskämpfer“,
die ein solches Blutbad unter Zivilisten anrichten?

Russland stellt sich quer
Es ist zum Verrückt werden.
Als wären die Terroranschläge nicht schon schlimm genug.
Nun hat auch noch Putin ein Embargo über die Türkei verhängt.
Kein Russe soll in absehbarer Zeit mehr an türkischen Stränden Urlaub machen.
Es gibt keine Flüge mehr dorthin.
Reiseangebote in die Türkei verschwinden aus den Prospekten.

Putin will sich revanchieren für den Abschuss des russischen Militärflugzeugs.
Welches im November letzten Jahres über türkisches Hoheitsgebiet geflogen ist.
Und dabei abgeschossen wurde.

Das deutsche Kreuzfahrtunternehmen AIDA bläst alle Fahrten in die Türkei ab.
Viele Reiseanbieter schwenken um. Natürlich wollen sie keine Kunden verlieren.
Also bieten sie als Alternative verstärkt Reisen nach Spanien,
Portugal, Griechenland und in die Karibik an.

Erholung für türkische Tourismusbranche?
Ob die Urlauber mittelfristig auch noch in diese teureren Länder reisen werden,
ist fraglich. Man könnte die Reize dieser Regionen, wo man früher schon mal war,
wieder lieben lernen. Und dabei bleiben.

Genauso gut ist es aber auch möglich, dass die Türkei verlorenes Terrain
irgendwann wieder zurück gewinnt.
Wenn es zu einer befriedigenden Lösung mit den Kurden kommt.
Wenn Präsident Erdogan seine Politik etwas demokratiefreundlicher gestaltet.
Und wenn die Gefahr durch den Islamischen Staat zumindest etwas
eingedämmt wird.

Darauf müssen Antalya, Alanya und Dalaman hoffen.
Zunächst aber gilt es, diese brenzlige Zeit durchzustehen.
Hotels werden geschlossen. Personal nach Hause geschickt.
Geschäfte, Taxi- und Busfahrt-Unternehmen machen zu.
Der Türkei droht eine Wirtschaftskrise.
In diesen Monaten bietet die türkische Riviera ein echt trauriges Bild.

Offizielle Stellungnahmen in Deutschland zur Türkei als Urlaubsland
Das Auswärtige Amt und der deutsche Innenminister wiegeln ab.
Es bestehe kein Grund, an der Sicherheit türkischer Strände zu zweifeln.
Nur in den Städten sollen die Urlauber wenn möglich
öffentliche Verkehrsmittel meiden.
Und sich von großen Menschenmengen und Sehenswürdigkeiten fern halten.

Man fragt sich: wie soll so ein Urlaub aussehen?
Immer nur im Hotelzimmer sitzen, oder was?
Da kann man auch gleich zu Hause bleiben. Oder besser nach Rügen reisen.

 

Alternative zur Türkei:
Preiswerter Urlaub in Griechenland

 

Rückgang der Urlaubsbuchungen für Nordafrika
In den 12 Monaten von Frühjahr 2015 bis Frühjahr 2016 gehen die Buchungen
für die Türkei um 40 Prozent zurück. Bei Ägypten sind es 35 Prozent.
Noch viel schlimmer erwischt es Tunesien:
Die Badeorte am Mittelmeer haben ganze 70 Prozent weniger Pauschalreisen
zu vermelden. Ein absoluter Wahnsinn.

Tunesien ist ein super-billiges Reiseziel.
Schon seit fast 30 Jahren verbringen Urlauber aus Deutschland, England,
der Schweiz und Holland ihre Ferien an den Stränden von Djerba,
Hammamet, Monastir und Sousse.

Hotelkomplexe sind aus dem Boden geschossen. Jetzt steht alles leer.
Eine wirtschaftliche Katastrophe für das Land.
Noch viel schlimmer als in der Türkei –
die immerhin noch mit EU-Unterstützung rechnen kann.

Dass der Terror auch Badeorte treffen kann, zeigte das Blutbad
im letzten Sommer. 38 Urlauber (auch Deutsche und Engländer) mussten in einem
Hotel von Sousse ihr Leben lassen. Die anderen reisen sofort nach Hause.
Bereits gebuchte Urlaubsreisen werden sofort storniert. Die Hotels stehen leer.
Das Personal wird entlassen. Was soll das werden mit Tunesien?

Das Dilemma bei den arabischen Staaten inklusive Türkei: man traut ihnen nicht.
Selbst wenn es mal wieder für eine gewisse Zeit friedlich aussehen wird:
In der arabischen Welt muss man immer mit Terror und Tod rechnen.

Ganz anders ist das in vergleichsweise sicheren EU-Staaten.
Nach dem Anschlag in Madrid (2004) haben sich die Urlaubsbuchungen
schon bald wieder erholt.
Auch nach den Anschlägen in Paris oder Brüssel kommt keiner auf die Idee,
dass Frankreich oder Belgien grundsätzlich unsichere Länder wären.
Die Türkei, Ägypten und Tunesien werden lange brauchen,
bis die Touristen wieder Vertrauen zu diesen Urlaubsländern fassen.

Auch Ägypten kommt nicht zur Ruhe. Seit der Revolution von 2011 ist das Land
am Nil vermehrt Zielscheibe islamischer Extremisten.
Letztes Jahr explodierte eine Bombe am Assuan-Staudamm.
In Kairo kann man sich auch nicht blicken lassen:
Ständig kommt es zu gewaltsamen Demonstrationen.
Im Nachbarland Libyen wird der IS immer stärker.

Dabei hätte Ägypten als Urlaubsland einiges zu bieten.
An den Traumstränden am Roten Meer (Hurghada, Sharm El Sheik) scheint
praktisch das ganze Jahr über die Sonne.
Auf dem Nil können die Urlauber eine mehrtätige Fluss-Kreuzfahrt machen.

Aber: alles für die Katz.
Die Europäer fahren lieber auf die Kanarischen Inseln, nach Kuba,
in die Dominikanische Republik oder Jamaika.
Als sich in Ägypten in eine potentielle Gefahr zu begeben.
Auch in diesem recht armen Land hängen viele Arbeitsplätze vom Tourismus ab.

 

Die beliebtesten Urlaubsregionen in Italien

 

Reisebuchungen in Zeiten des Terrors –
Alternativen zur Türkei

Eine Sache ist so sicher wie das Amen in der Kirche:
Die Reisefreudigkeit der Deutschen ist nach wie vor ungebrochen.
Wenigstens einmal im Jahr möchte man sich eine Auszeit vom Alltag gönnen.

Allerdings findet in diesen Monaten ein Umdenken statt.
Fast alle islamischen Länder werden gemieden – außer Marokko vielleicht.
Zumindest aber halten sich die Deutschen noch mit Buchungen zurück.
Um zu sehen, wie sich die Lage in der arabischen Welt entwickelt.

Was man bei allen Reiseberichten allzu leicht vergisst:
Das Lieblingsurlaubsziel ist nach wie vor Deutschland selbst!
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?

Deutsche Erholungsgebiete an Ostsee, Nordsee, Bayern und
Mecklenburg-Vorpommern profitieren stark von den kritischen Verhältnissen
im östlichen Mittelmeer. Auch hier in deutschen Landen kommt es zu Engpässen.
Die Hotels sind schnell belegt.
Wer sich nicht rechtzeitig um eine Urlaubsbuchung kümmert, könnte leer ausgehen.

Kreuzfahrten und Städtereisen sind bei uns Deutschen ebenfalls sehr beliebt.
Noch scheint es so zu sein, dass die Schiffe von TUI und AIDA
vor dem Terror sicher sind. Aber wie lange noch?

Der entscheidende Wendepunkt im Bewusstsein der Deutschen waren die Bilder
des Attentats in Paris, letzten November.
Ein solches Massaker fast vor der Haustür haben wir schon lange nicht mehr erlebt.
Man hat das Gefühl, dass Menschen aus der westlichen Welt sich nirgendwo
mehr sicher fühlen können. Schon gar nicht in muslimischen Ländern.

Alles, was nach Arabisch, Islam und Terror riecht, wird gemieden.
Lieber sonnt man sich auf der Terrasse oder im Schwimmbad,
als sich in Gefahr zu begeben.

Beliebte Reiseziele der Deutschen im Ausland
Wohin sollen die Millionen Menschen reisen, die bislang in der Türkei,
Tunesien, Ägypten Urlaub gemacht haben?
Die Reiseveranstalter TUI, ADAC und REWE müssen sich etwas einfallen lassen,
wenn die Umsätze nicht rapide sinken sollen.

Außer Deutschland, Spanien, den Kanaren, Portugal und Italien hat sich die Karibik
ganz gut gemausert. Vor allem das billige Kuba hat einen großen Zustrom
an Touristen. Sogar Amis kommen jetzt gern nach Havanna.
Der Boom geht vor allem auf die Öffnung des Landes zurück.

Neulich ist sogar Mick Jagger aufgetreten.
Zu Castros Zeiten wäre eine solche Dekadenz undenkbar gewesen.
Klimatisch ist die Karibik (außer in der Hurricanezeit von Juli bis November)
praktisch das ganze Jahr über ideal für einen Strandurlaub.
Denn hier ist immer Sommer.

Aufgrund günstiger Öl- und Kerosinpreise sind Fernreisen nach Nordamerika und
Asien zurzeit relativ preiswert zu haben.
Ebenfalls sehr beliebt bei den Deutschen sind äußerst preiswerte
Sommer-Pauschalreisen an die Adriaküste von Kroatien.
Und an die Goldküste von Bulgarien (Schwarzes Meer).

 

Lothar Mader

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