Stiftung Warentest: Online Reisebüros arbeiten mit Tricks

Vorsicht beim Reise-Buchen online!

Stiftung Warentest deckt die Tricks
der Online-Reisebüros auf. Versteckte Zusatzkosten
beim Buchen von Reisen und Flügen

 

Stiftung Warentest:
Online-Betrug ist eher die Regel als die Ausnahme

Sind Reisen im Internet wirklich günstiger als in normalen Reisebüros?
In den letzten 10 Jahren haben sich die online gebuchten Reisen verdoppelt.
Es scheint so, als seien diese Fernreisen, Städtereisen,
Singlereisen und Strandurlaube sehr preisgünstig.
Außerdem hat man mehr Auswahlmöglichkeiten und Optionen für eine
differenzierte Suche nach Reisezielen, Flügen, Ferienwohnungen und Hotels.

Im Netz wimmelt es scheinbar nur so von sensationellen Billig-Urlaubsangeboten.
Doch bei genauem Hinsehen erkennen wir: im Internet arbeiten
viele Reiseveranstalter mit Tricks, um den Kunden auf raffinierte
Art und Weise das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Nicht empfehlenswert sind laut Stiftung Warentest und Computerbild
die Online-Portale Opodo, Ab in den Urlaub und Fluege.de.
Dort sind Ausgangs-Preisangebote am meisten gefaked.

Beim Reise buchen kommen zum ursprünglichen Lockpreis nämlich
klammheimlich noch einige Gebühren hinzu: Steuern, Service-,
Gepäck- und Buchungskosten, Zahlungsgebühren und sogar Versicherungen.
So dass Anfangs- und Endpreis sich oft ganz erheblich unterscheiden.

 

Hier die Testergebnisse von Stiftung Warentest
und Computerbild im Überblick:

 

Masche 1: Preiserhöhung im Lauf des Buchungsvorganges

2 Arten von Buchungsportalen im Internet
Das sind zum einen die Online-Reisebüros selbst:
Ab in den Urlaub, Expedia, Opodo, Alltours und Holidaycheck sind große Namen.
Auch Thomas Cook, TUI, AIDA, ADAC-, Lidl-,
Sonnenklar-TV und OTTO-Reisen gehören dazu.

Auf der anderen Seite haben wir Suchmaschinen und Vergleichsseiten
für Reisen und Flüge: Lastminute.de, Bahn.de, Billigflieger.de und Fluege.de.
Mit dem Eingeben von Reisedaten finden die Kunden angeblich die billigsten
Reisen. Doch das ist oft nur Augenwischerei, wie wir gleich sehen werden.

Stiftung Warentest und Computerbild haben die Tricks untersucht,
mit denen viele Online-Portale sich den Säckel voll machen.
Nur wenige Reisebüros arbeiten seriös. Nur wenige zeigen den Endpreis
bzw. mögliche Zusatzkosten offen und frei gleich von Anfang an.
Die Reiseportale kaschieren die Preisaufschläge geschickt.
Und hoffen, damit dumme Kunden zu übertölpeln.

Zu Beginn sehen Sie bei einem Online-Reisebüro oder bei Vergleichsportalen
immer einen traumhaft günstigen Preis.
Dieser scheint zu bestätigen: die billigsten Reisen und Flüge gibt es
nur im Internet. Das würde auch so stimmen,
wenn es denn bei diesem günstigen Ausgangspreis bliebe.

Allerdings würden die Reiseunternehmen mit diesem Lockpreis kaum einen Euro
verdienen. Also müssen (verdeckte) deftige Zusatzgebühren her!
Wie Sie das vielleicht von Billig-Airlines wie Ryanair her kennen.
Wobei man es dort auf der Webseite klipp und klar nachlesen kann.

Nachdem sie den Button „Jetzt Reise buchen“ geklickt haben,
gehen vielen Käufern die Augen auf. Im Vergleich zum ursprünglichen Angebot
sind die realen Kosten am Ende um 10 bis 50 Prozent gestiegen.
Das Fiese daran ist: man kann den Online-Reisebüros juristisch nicht beikommen.
Die Gesetzgebung ist nicht eindeutig genug. Wer bestellt hat, ist der Dumme.

Höhere Gewalt
Viele Anbieter sagen: Unsere Preise sind Tagespreise,
die sich wie an der Börse stündlich ändern können.
Das ist eine Wischi-Waschi-Formulierung, die jedem Betrug Tür und Tor öffnet.
Besonders das Unister-Portal Ab in den Urlaub ist im Test von Computerbild
negativ aufgefallen. Von Anfang bis Ende einer Buchung hat sich der Preis
um fast 20 Prozent erhöht. Das Schlimme daran: Es ist vollkommen legal.
Es gibt kein Gesetz, das solche Machenschaften unterbindet.

Stiftung Warentest hat herausgefunden:
Bei den allermeisten Testkäufen hat sich der Preis ausgerechnet in dem Zeitraum
verändert, wo wir Daten eingegeben, bestellt und gebucht haben.
So ein Pech aber auch! Man könnte ein System dahinter vermuten:
dass fast jeder Preis sich beim Buchen erhöht.
Wer will den Online-Reisebüros das Gegenteil beweisen?

Schöne Reiseziele mit Sunwave

Masche 2: Extra-Gebühren für den Bezahlvorgang
Laut Stiftung Warentest besteht der zweite Betrugstrick der Online-Reisebüros
darin, den Kunden beim Bezahlen heimtückisch kräftige Aufschläge unterzujubeln.
Wer seine Rechnung mit Kreditkarte begleicht, hat fast immer verloren.

Bei vielen Reiseportalen gibt es dafür Aufschläge von bis zu 30 Euro –
je nach Gesellschaft und Preis der Reise. Und pro Person, wohlgemerkt!
Auch dann, wenn die Kreditkarte die einzige Bezahlmöglichkeit ist.
Man also nicht ausweichen kann.

Manche Online-Reisebüros genieren sich nicht, auch bei anderen Bezahlarten
(Lastschrift, Überweisung) kräftig zuzuschlagen. Oder sie sagen:
Nur beim Bezahlen mit einer bestimmten Kreditkartenart
bleibt der Preis unverändert.

Bei Fluege.de ist das die Mastercard-Gold. Bei Expedia ist es die Visacard.
Bei anderen die American-Express.
Alle anderen Bezahlarten werden mit Extrakosten belegt.
Die Logik darin? Abzocke, was sonst!
Gegen solche Unverschämtheiten der Reiseveranstalter kann man sich
nur schützen, indem man die AGB oder das Kleingedruckte genau liest.
Aber wer tut das schon?

Stiftung Warentest sind folgende Portale als ehrlich aufgefallen:
Weg.de, der Hotelanbieter HRS, lastminute.de, ebookers.de und L’tour.
Bei den Fluggesellschaften arbeiten die Air Berlin und Air France
transparent und ohne krumme Touren.

 

Masche 3: Andrehen einer Reiseversicherung
Noch fieser ist dieser Trick. Es würde ja noch angehen,
wenn die Online-Reisebüros sich darauf beschränken würden,
eine zusätzliche Reiseversicherung optional anzubieten.
Dann hätte jeder Kunde die freie Wahl.
Nur die wenigsten würden sich wahrscheinlich dafür entscheiden.

Um die Gewinne in die Höhe zu treiben, bedienen sich die Reisebüros im Internet
eines gemeinen Tricks. Sie setzen von Anfang an ein Häkchen (= Zustimmung)
bei der Funktion „Reiseversicherung abschließen“.
Wer dies nicht sieht, hat Pech gehabt.
Und schließt damit nicht nur eine Versicherung für diese eine Reise ab.
Sondern erwirbt komfortablerweise ein Jahresabo.
Das sich nach Ablauf von 12 Monaten auch noch automatisch verlängert.
Da kommt doch Freude auf!

Wer nun hingeht und das Häkchen entfernt, wird mit einer Meldung
auf sein grob fahrlässiges Verhalten hingewiesen:
Wollen Sie wirklich das Risiko eingehen, unversichert in Urlaub zu fahren?
Oh Schreck! Das wollen wir natürlich nicht!

Viele Menschen sind so dumm und setzen dann doch das grüne Häkchen.
Dabei haben sie doch bereits eine Reisekrankenversicherung bei der AOK.
Auch Reiserücktrittsversicherungen und Reiseunfallversicherungen sind
(falls überhaupt nötig) woanders günstiger zu bekommen
als ausgerechnet bei diesem Online-Angebot.

Richtig kriminell ist diese irreführende Anzeige eines Online-Reisebüros:
Wollen Sie sich die Möglichkeit offen halten, die Buchung kostenlos zu canceln?
Schöne Aussichten, könnte man meinen.
Wer auf dieses Lockangebot eingeht, hat automatisch und ohne sein Wissen
eine Versicherung abgeschlossen. Man wird überhaupt nicht gefragt.

Wieder einmal ist Ab in den Urlaub negativ aufgefallen.
Die unnütze bzw. überteuerte Zusatzversicherung kostet 120 Euro.
Und verlängert sich als Abo nach 12 Monaten.
Auch Opodo und L’tour sind mit Versicherungen
um die 70 Euro echte Bauernfänger.
Die 3 genannten Gesellschaften haben den Abschluss einer Versicherung
von vornherein aktiviert. Ich finde das sehr fürsorglich.

 

Wie tricksen Suchmaschinen-Portale
für Reise und Flug?

Diese Test- oder Vergleichsseiten sind keineswegs so objektiv wie sie vorgeben.
Durch ihre guten Platzierungen bei Google haben sie lukrative Werbeverträge
mit bestimmten Reise- bzw. Fluggesellschaften bekommen.
Je mehr Kunden sie denen zuschanzen, desto mehr Provisionen verdienen sie.
Also müssen solche Angebote bevorzugt werden.

Aus diesem Grund werden die Preise für gut provisionierende Reiseunternehmen
wie Thomas Cook, TUI, AIDA, Neckermann und von Anfang an
von den Vergleichsseiten künstlich nach unten gedrückt. Und zwar sehr massiv.

Wenn Sie als Verbraucher nun einen Flug nach Mallorca oder Teneriffa suchen:
Dann zeigen Suchmaschinen wie Ab in den Urlaub, Expedia und Sonnenklar.TV
Ihnen genau solche Reisen bzw. Flüge als die billigsten an,
mit denen sie gutes Geld verdienen können.
Diese Angebote stehen ganz oben in der Ergebnisliste.
Werden also am meisten angeklickt.
Genauso wie bei den Suchergebnissen von Google.

Wen kümmert es, dass Sie beim Buchen selbst dann alle möglichen
Zusatzgebühren in Kauf nehmen müssen. Jeder kleine Furz kostet Extra-Geld.
Am Ende ist aus dem vermeintlichen Super-Schnäppchen
eine teuere Reise geworden. Und Sie sind der Gelackmeierte.

Stiftung Warentest zu den Vergleichsseiten für Billigflüge
Am besten haben flug.idealo, swoodoo.com und check24.de abgeschnitten.
Auf diesen Seiten sind die Zusatzkosten für Flüge moderat.

Billigflieger.de hat das schlechteste Testergebnis.
Das Suchportal agiert wenig kundenfreundlich.
Mit Fluege.de, Bravofly.de und Opodo zeigt Billigflieger.de Reiseportale
mit erheblichen Aufpreisen ganz oben in der Ergebnisliste an.

 

Stiftung Warentest empfiehlt
Seien Sie immer kritisch.
Vergessen Sie nicht, dass es jede Menge Betrüger und Schlawiner gibt.
Auch und vor allem bei den größten Online-Reisebüros und Flug-Suchmaschinen.

Sehen Sie sich nicht nur die angeblichen Top-Angebote ganz oben an.
Sondern auch die scheinbar etwas ungünstigeren weiter unten.
Nicht allein die angezeigten Erstpreise sind entscheidend. Sondern vor allem,
wie ehrlich diese Preisversprechen bis zum Schluss eingehalten werden.

Spielen Sie den Buchungsvorgang durch bis kurz vor dem Ende.
Bis nur noch der letzte entscheidende Klick fehlt.
Ein Reiseportal ist nur dann als seriös einzustufen, wenn es vor dem letzten Klick
den Gesamtpreis anzeigt. So wie Sie es von Amazon.de her kennen.
Ist das nicht der Fall, dann beenden Sie besser den Buchungsvorgang.
Wenn Sie keine böse Überraschung erleben wollen.

Vergleichen! Vergleichen! Und nochmals vergleichen!
Ein guter Trick für die Verbraucher ist es, sich auf mehreren Online-Reisebüros
umzusehen. Das kostet zwar etwas Zeit. Macht sich aber im Geldbeutel bemerkbar.
Letzten Endes – so Stiftung Warentest – hat man im Internet zwar viel mehr
Suchoptionen für eine Urlaubsreise zur Verfügung.
Es lauern aber auch viele Fallstricke. Vor allem für unerfahrene Bucher.
Und solche, die zu schnell und unvorsichtig vorgehen.

Ganz auf Nummer-Sicher gehen
Machen Sie es so wie immer noch zwei Drittel aller Urlauber:
gehen Sie ins Reisebüro ihrer Stadt.
Die haben zwar ein vergleichsweise bescheideneres Angebot.
Dafür können Sie in einem persönlichen Gespräch
aber Rückfragen stellen zu verschiedenen Dingen.
Bevor Sie das Buchungsformular unterschreiben,
kennen Sie den Endpreis auf Heller und Pfennig genau.

 

USA-Rundreisen:

Ostküste
New York, Neuengland, Große Seen, New Orleans, Florida

Westküste
LA, Las Vegas, Rockys, Grand Canyon San Francisco

 

Stiftung Warentest zeigt einen noch besseren Trick
Während die meisten Käufer für Klamotten, Haushaltsmaschinen, Smartphones
und Sportartikel heutzutage zuerst ins Geschäft gehen.
Sich eine Ware zeigen und erklären lassen.
Um danach bei Online-Händlern wie Amazon, Zalando usw. billiger zu bestellen.
Machen Sie es bei den Reisen doch genau umgekehrt:

Suchen Sie zuerst bei Online-Reisebüros nach Urlaubsorten
und speziellen Reiseangeboten, die Ihnen gefallen würden.
Ohne den Buchungsvorgang wirklich zu starten oder zu Ende zu führen.
Einfach nur in die Angebote hineinsehen. Und sich Notizen machen
über Flug, Reiseziel, Reisedatum, Preis, Hotelausstattung usw.

Danach gehen Sie ins Reisebüro nebenan.
Und fragen dort nach, welche der notierten Reisen die anbieten können.
Wenn Sie sich am Computer z.B. 10 Reisen mit allen Daten ausgedruckt haben,
finden Sie bestimmt 3 bis 5 davon auch im normalen Reisebüro.
Sie werden feststellen, dass die Endpreise Online und Offline fast identisch sind.

 

Lothar Mader

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