Carving: Unterschiede zum klassischen Skifahren

Infos für angehende Carver

Was ist der Unterschied zwischen Carving und
herkömmlichem Skifahren? Skibretter, Lauftechnik,
Skipisten, Speed. Wie kann man Carving lernen?

Carver beim Skifahren im weißen Schnee

Seit 1998 hat Carving das Skifahren schneller und eleganter gemacht.
Auch im Ski-Weltcup sieht man fast nur noch Carver um die Tore kurven.
Das klassische Skifahren hat zumindest im Leistungssport ausgedient.
So schien es jedenfalls zeitweise.

Neuerdings gibt es Tendenzen, die Carving-Technik ein wenig zu entschärfen.
Der DSV und der österreichische Skiverband führt die Vielzahl von Verletzungen
auf den neuen Skistil zurück. Was daraus wird, das steht in den Sternen.
Hier vergleiche ich jetzt Ski-Klassisch mit der Carver-Technik.

 

Unterschiede bei den Skibrettern
Carving ist nur möglich durch eine besondere Bauweise des Skis.
Während das Gerät beim klassischen Skifahren über die gesamte Länge nahezu
gleichmäßig breit ist, stellen wir beim Carving-Ski seitlich eine Dellenform fest.
Im Fachjargon wird dies „Taillierung“ genannt.
Der Ski ist vorn und hinten deutlich breiter als in der Mitte.

Auch die Länge ist unterschiedlich. Bei klassischen Skimodellen messen wir
fast 2 Meter. Die Bretter der Carver sind hingegen nur ca. 1,70m lang.
Bei extremen Taillierungen sogar nur 1,50m.
Auch im Kantenschliff bestehen erhebliche Unterschiede.

Sie können sich im nächsten Skiurlaub Carving-Skier zuerst mal nur ausleihen.
Und probieren, ob Sie diese Art des Skifahrens mögen.
Sie lassen sich in einem Schnellkurs der Skischule kurz in der Technik ausbilden.

Später sucht sich der Anfänger einen relativ flachen Hang mit wenig Betrieb aus.
Und kann nun testen, ob er mit dem Carving-Ski zurechtkommt.
Das braucht ein wenig Zeit.
Aber mit zunehmender Erfahrung werden Sie immer besser.

 

Alter klassischer Ski-Fahrstil
Killy, Stenmark, Franz Klammer, Hansi Hinterseer, Annemarie Moser-Pröll
und Rosi Mittermaier: Die Skistars der 70er und 80er Jahre
haben im klassischen Stil ihre Goldmedaillen gewonnen.

Zum Wechseln der Fahrtrichtung mussten sie mit dem Ski wedeln (driften).
Sie mussten dabei zwangsläufig eine kleine Bremsung durchführen,
um nun die entgegengesetzten Skikanten auf dem Schnee aufzusetzen.
In diesem Augenblick standen die Skibretter diagonal zur Fahrtrichtung.
Also bremsend.

Um den Richtungswechsel einzuleiten, wurde für einen kleinen Moment
der Ski entlastet. Um ihm dann mit einer ruckartigen Bewegung
und Stockeinsatz eine andere Richtung zu geben.

Für die Ideallinie mussten die alten Skistars die Bretter sehr geschlossen halten.
Jedes Ausscheren hatte einen Geschwindigkeitsverlust zur Folge.
Hundertstelsekunden, die über Gold, Silber oder Bronze entscheiden konnten.

 

Fahrstil Carving
Weiter unten habe ich übrigens 2 Links zu Youtube-Videos. Dort sieht man,
wie Anfänger und Fortgeschrittene carven. Doch zuerst mal noch die Theorie.

Kein Tempoverlust
Der eigentliche Reiz des Carvings liegt im Erreichen höherer Geschwindigkeiten.
Während im klassischen Ski-Alpin bei jedem Richtungswechsel ein gewisser
Bremsvorgang stattfindet, läuft der Carver flüssig immer weiter.
Ohne jede Unterbrechung.

Natürlich gibt es auch hier ein Speed-Limit.
Wenn er zu schnell wird, dann muss er mal kurz quer zum Berg laufen.
Um etwas Tempo herauszunehmen. Unterm Strich aber ist der Carver schneller
unterwegs als Klammers und Hinterseers Zeitgenossen.

Das bedeutet: Beim Carving braucht man breite und nicht zu steile Abfahrten.
Der Skifahrer nimmt auf der Piste eine größere Breite in Anspruch.
Für sehr steile Strecken ist klassisches Skifahren nach wie vor etwas besser
geeignet. Sollte ein Carver auf ein sehr steiles Teilstück kommen,
kann er mit seinem Ski kurzzeitig auf den klassischen Fahrstil umwechseln.

Die Technik beim Carven
Die größere Geschwindigkeit beim Carving entsteht dadurch, dass der Ski
ununterbrochen gleitet und fährt. Er hat ständig Bodenkontakt.
Es gibt kein Springen, keine ruckartigen Bewegungen, kein Driften
und kein Herumreißen des hinteren Skiteils.
Dadurch sieht das Carving sehr elegant und ästhetisch aus.

In den Kurven (= Richtungswechsel) steht der Carver auf den inneren Skikanten.
Dadurch sieht die Kurvenlaufbahn aus als hätte jemand mit dem Messer
2 Linien in den Schnee geschnitten.
Dabei wird – im Gegensatz zum Classic Skifahren – kaum Schnee weggeschoben.
Der Carver gleitet durch das winterliche Weiß, ohne dessen Form zu ändern.

Die Kurvenlage beim Carving
Während der klassische Skifahrer beim Richtungswechsel einen kurzen ruckartigen
Schlenker macht. Dadurch den Schnee beiseite schiebt.
Und einiges an Speed verliert. Fährt der Carver die Kurve weitläufiger aus.

Er legt sich in die Kurve wie ein Motorradfahrer.
Das Gleiten auf der inneren Stahlkante und das Ausgleichen der Zentrifugalkraft
in der Kurve erfordern eine bestimmte Körperhaltung.
Dazu wird der Kniebereich zum Hang hin geneigt.
Damit die Skikanten sich in den Schnee hinein schneiden.
Und so ein Verrutschen hangabwärts unmöglich machen.

Gleichzeitig wird der Oberkörper in die Gegenrichtung bewegt – also talwärts.
Damit der Skifahrer nicht Richtung Berg umkippt. Sondern das Gleichgewicht behält.
In dieser Grundhaltung fährt der Carving-Ski seine Kurve wie von allein.
Je stärker er tailliert ist, desto enger können die Kurven genommen werden.

Um diesen Balanceakt auszuführen braucht der Skisportler eine große
Bewegungsfreiheit an den Beinen. Daher hält er die Skier nicht hauteng
zusammen wie beim klassischen Skifahren. Sondern die Beine haben permanent
einen hüftbreiten Abstand von ca. 30 Zentimeter.
Wer jahrelang mit der alten Technik gefahren ist, muss sich erst daran gewöhnen.
Er wird immer wieder mal in alte Gewohnheiten zurückfallen.

Die Fahrlinie des Carvers sieht aus wie ein weit gezogenes „S“ mit weichen
Rundungen. Wie der Busen einer gut gebauten Frau.
Die Fahrlinie des klassischen Skifahrers hat dagegen ein eckiges Muster.
So als wenn man viele „Z“ aneinanderfügt.

Weitere Unterschiede zwischen Carving und klassischem Skifahren
Die tallierte Form des Skis führt dazu, dass dieser die Kurvenfahrt nahezu
selbstständig ausführt. Durch den runden Radius im Randbereich des Skis
(in der Mitte schmal) findet er die Richtung fast von allein.
Natürlich kann der Carver das auch durch seine Körperhaltung mit beeinflussen.

Es gibt verschiedene Skimodelle im Carvingsport. Die Stärke der Taillierung
(Bogen in Skimitte) kann man sich im Sportgeschäft aussuchen.
Je nach Taillierungsgrad gibt der Ski einen Kurvenradius zwischen 10 bis 20m vor.
Das Gerät führt also beim Fahren einen Kurvenbogen von 10 bis 20 Meter aus.

Der Carver belastet in der Kurve beide Skier nahezu gleichmäßig stark.
Während der Klassiker fast nur auf dem Außenski steht.
Den Innenski dabei fast vom Boden anhebt.
Carver stehen zu jeder Zeit voll mit beiden Skiern dem Boden.
Die altmodische Technik ist darauf angewiesen,
beim Kurvendrifting den bergseitigen Ski etwas zu heben.

Da er keine ruckartigen Richtungswechsel ausführt, muss der Carver
vorausschauender fahren als der klassische Skifahrer.
Sein Blick muss 10 Meter voraus gehen.
Um einzuschätzen, wann die nächste Kehrtwende erfolgen muss.

Beim Carving gibt es im Schnitt weniger Richtungswechsel.
So hat der Fahrer beim Gleiten sogar noch Zeit, blitzschnell einen Blick
pistenaufwärts zu riskieren. Um zu sehen, wer da noch hinter ihm kommt.

Aus Sicherheitsgründen ist das auch nötig:
denn der Carver benutzt manchmal die gesamte Breite der Piste.
Wenn nun von oben ein klassicher Abfahrer kommt, der fast schnurstracks
den Berg herunter fährt: dann muss eine Kollision vermieden werden.

Es braucht nicht erwähnt zu werden, dass zum perfekten Carving
eine gute Skiausrüstung nötig ist. Dazu gehören vor allem feste Schuhe.
Damit die Skier auf die Beinbewegungen richtig reagieren.

Im Unterschied zum klassischen Skifahren gehen Stürze beim Carving meist
glimpflicher aus. Meist ist es so, dass der zum Hang geneigte Sportler sich seitlich
flach legt auf den Boden. Weil er sein Gleichgewicht nicht halten kann.
Er fliegt also nicht meterweit durch die Luft. Sondern rollt seitlich ab
wie ein Fallschirmspringer bei der Landung auf dem Boden.

 

Carving lernen – unterschiedliche Carving-Techniken
Experten raten, zunächst einmal das klassische Skifahren zu lernen.
Ein Gefühl zu bekommen für Schnee, Pistenverhalten, Abfahrt und
Riesenslalom-Kurven. Und dann mit dieser Sicherheit und auch mit einer
gewissen körperlichen Fitness im Rücken die neue Technik anzugehen.

Mit Carving-Skiern kann man auch wedeln wie im klassischen Stil.
Das aber bringt nur wenig Skispaß. Wenn schon, dann richtig!
Man sollte unbedingt einen Ski mit einer ausreichenden Taillierung fahren.
Er darf auch nicht zu lang sein. Natürlich muss man die Technik richtig lernen.
Wie ich es jetzt kurz beschreibe.

Anfänger-Technik
Jeder größere Skiort hat eine Skischule. Ausgebildete Skilehrer halten Kurse ab,
wo man alle möglichen Wintersportarten lernen bzw. perfektionieren kann.
Bevor man selbst vor sich hinwurschtelt, sollte man Zeit und Kosten nicht scheuen.
Und an einem solchen Skikurs teilnehmen.
Damit die Carving-Technik mit Hüftknick (Video) von Anfang an einwandfrei
erlernt wird. Das bringt relativ schnelle Erfolge. Und beugt Frustrationen vor.

Fortgeschrittene Technik
Diesen Ski-Lehrfilm habe ich bei YouTube gefunden.
Er zeigt, wie fortgeschrittene Carver fahren. Und welche Übungen Sie machen
können, um einen sicheren Fahrstil zu erreichen.

In der Profi-Technik werden noch nicht einmal Skistöcke gebraucht.
Das Umkanten der Skier in die andere Richtung wird durch artistisch
anmutende Arm- und Körperbewegungen ausgeführt.
Mit dieser Technik kann der Carver auch auf steilen Hängen fahren.

 

Wo finden wir gute Carving-Pisten
Obwohl eigentlich vieles möglich ist, lieben die meisten Carver eine mittelstarke
Hangneigung mit roter oder blauer Markierung.
Bei zu steilen Skipisten würden sie zu schnell werden. Beziehungsweise die
Fliehkräfte wären so immens, dass der Fahrer aus der Kurve fliegt.
Beim Carving sind breite Abfahrten mit möglichst wenig Skiverkehr ideal.

Hier ein paar Beispiele mit idealen Carverpisten im Alpenraum:

Kitzbühel

Zillertal und Bad Gastein

St. Moritz

 

Lothar Mader

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