Beziehungsende: in aller Freundschaft voneinander scheiden

Sich freundschaftlich und fair trennen

Um sich in aller Freundschaft scheiden zu lassen,
müssen beide Partner gewisse Verhaltensweisen beachten.
Beziehung beenden geht auch ohne Rosenkrieg

Das Ende einer Beziehung ist oft für beide Partner schmerzhaft.
Aus Liebe wird Hass. Aus Vertrautheit entstehen Unverständnis, Trauer,
Liebeskummer und sogar Depressionen.
Zumindest bei dem Part, der sich als Opfer der Scheidung fühlt.
Es kommt zu Vorwürfen, Wutausbrüchen, Tränen und endlosen Streitereien.
Die Kinder leiden ganz besonders, wenn die Eltern getrennte Wege gehen.

Es geht aber auch ohne große Verletzungen:
Es gibt Paare, denen gelingt es, in aller Freundschaft eine Scheidung
zu vollziehen. Ich werde Ihnen gleich zeigen, wie eine Trennung
relativ glimpflich über die Bühne gehen kann

Voraussetzungen:
Nicht jede Ehe kann in aller Freundschaft geschieden werden.
Wenn Sie Ihren Partner/in über Jahre hinweg belogen und betrogen haben,
dann ist es wohl schwer möglich. Ebenso, wenn die letzten Jahre
der Beziehung nur noch aus Zoff und Stress bestand.
Oder noch schlimmer:
Wenn der Respekt vor dem Partner verloren gegangen ist.

Menschen, die über lange Zeit in tiefer Liebe verbunden waren,
oder die sich schon auseinander gelebt haben,
tun sich nach dem ersten Schock leichter, sich fair zu trennen.

Die Scheidung in aller Freundschaft ist eine Sache.
Genauso schwierig ist es, auch nach dem Auseinandergehen
eine gewisse Freundschaft aufrecht zu erhalten.
Scheidungs-Fairness ist Grundbedingung für einen freundlichen Umgang später.

 

Dem Partner den Entschluss mitteilen

Es geht nicht mehr – rien ne va plus
Sie sind schon lange Zeit unzufrieden mit der Beziehung.
Immer mehr kristallisiert sich der Gedanke heraus: Sie wollen die Scheidung.

Ob eine Trennung in aller Freundschaft möglich ist,
das hängt auch mit dem ersten Schritt zusammen:
wie Sie Ihrem künftigen Ex-Partner die Hiobsbotschaft beibringen.
Denn nicht immer kündigt sich eine Scheidung im Voraus an.
Manchmal kommt sie für den passiven Partner wie aus heiterem Himmel.

Wenn die Grundpfeiler einer Beziehung verloren gehen:
dann kann es mit der Liebe nicht mehr weit her sein.
Doch wie bringen Sie dem Ihrer Frau oder Ihrem Mann
möglichst schonend bei, dass Sie die Scheidung wollen?

Sie wollen sich unbedingt in aller Freundschaft trennen.
Dazu ist es nötig, dass Sie für das Gespräch einen guten Zeitpunkt auswählen.
Einen ruhigen Ort, wo keine Fremden reinkommen.

Am besten schließen Sie die Tür ab.
Handy und Haustürklingel werden ausgeschaltet. Das Telefonkabel rausgezogen.
Nun müssen Sie Ihrem einst so geliebten Partner beibringen,
dass der gemeinsame Weg hier zu Ende ist.
Dass es keine gemeinsame Zukunft gibt.

Es wäre keine gute Idee, ein so hochbrisantes Gespräch ohne Vorbereitung
zu beginnen. Setzen Sie sich ein paar Tage vorher in Ruhe hin.
Denken Sie darüber nach, was Sie sagen werden.
Machen Sie sich nochmal sehr deutlich die Gründe für Ihren Entschluss klar.
Überlegen Sie noch ein allerletztes Mal,
ob es wirklich keine Chance mehr gibt für Ihre Liebe.

 

Taktik für das Scheidungs-Gespräch
Sie werden Ihre Worte behutsam, aber dennoch unmissverständlich wählen.
Es darf keinen Zweifel daran geben, dass es kein Zurück gibt.
Damit sich Ihr Partner nicht noch irrsinnige Hoffnungen macht auf ein Comeback.

Zuerst nennen Sie die Motive für Ihren Scheidungs-Entschluss.
Machen Sie keine Schuldzuweisungen: „Du hast immer das und das…“
Sondern schildern Sie nüchtern, was Ihnen schon seit Jahren fehlt in der Ehe.
Warum Sie sich so unglücklich fühlen.
Warum Sie so nicht weiter machen können und wollen.

Sagen Sie, dass es teilweise auch Ihre eigene Schuld ist, dass die Beziehung
so schlecht geworden ist. Wählen Sie Ihre Worte einfühlsam und mit Bedauern.
„Es tut mir so leid, dass es so weit gekommen ist. Aber ……“
Erinnern Sie auch an die guten Zeiten Ihrer Ehe.
Wir haben uns einmal so geliebt.
Ich war gern mit dir zusammen. Du bist ein toller Mensch.
Jetzt aber würde ich gern in aller Freundschaft von dir gehen.

Legen Sie sachte die Vorteile einer Trennung dar:
Warum sollen wir uns beide weiter quälen?
Es stimmt doch schon lange nicht mehr.

Vermeiden Sie den Standard-Satz: „Wir können ja Freunde bleiben“.
Der wirkt in diesem Augenblick wie blanker Hohn.
Allerdings könnten Sie schon eine Zukunftsvision andeuten:
Wir sind noch jung. Wir können beide noch ein neues Glück finden.
Anstatt so lieblos nebeneinander her zu leben wie in letzter Zeit.

Angriffe gelassen hinnehmen
Möglicherweise ist Ihr Partner total ahnungslos.
Sitzt da wie vom Blitz getroffen, steht unter Schock.
Ist vernünftigen Argumenten gar nicht zugänglich.
Er wird tief betrübt in sich zusammen sacken.
Oder Sie gleich mit Vorwürfen bombardieren.
Vielleicht sogar mit Blumenvasen oder Kaffeetassen werfen.
Er wird Ihnen ewige Feindschaft schwören.
Und Ihnen die Pest an den Hals wünschen.
Das sind Ausbrüche momentaner Verzweiflung und Verletzung.

Lassen Sie alle Angriffe stoisch über sich ergehen.
Es ist nicht schlecht, wenn der Partner seine Wut abreagiert.
Das tut ihm gut, baut Emotionen und Aggressionen ab.
Macht ihn bereit für eine halbwegs sachliche Argumentation.

Gehen Sie bei der Ankündigung der Scheidung defensiv, behutsam
und mit Fingerspitzengefühl vor.
Vielleicht ist es das Beste, den Partner nach der Haupt-Mitteilung
für eine Weile allein zu lassen.
Damit er das Gesagte realisieren und verdauen kann.
Bis die Gefühlswogen sich ein bisschen legen.
Denn trösten können Sie sowieso nicht. Nicht Sie, das müssen andere tun.

Einen Tag später können Sie in einem vergleichsweise sachlichen Gespräch
die Fakten und Vorgehensweisen noch einmal darlegen.
Lassen Sie sich dabei nicht auf Kompromisse oder Rückzugsgefechte ein
(z.B. Trennung auf Zeit). Sondern beharren Sie auf dem Standpunkt.

 

Hier gibt es weitere Infos
zu Partnersuche und Beziehungen

 

Scheidung in aller Freundschaft: schon der Kinder wegen
Wenn eine Beziehung zu Ende geht, sind Kinder oft die Haupt-Leidtragenden.
Vor allem dann, wenn Sie noch klein sind. Und nicht verstehen können,
warum sich Mama und Papa nicht mehr lieb haben.

Solch traumatischen Kindheits-Ereignisse können dazu führen,
dass die Kids im Erwachsenenalter unter Bindungsangst leiden.
Weil sie unbewusst das Wort „Nähe“ mit Schmerz und Leid in Verbindung bringen.

Springen Sie der Kinder zuliebe über den eigenen Schatten.
Statt egoistisch Ihre möglicherweise gerechtfertigten Ansprüche durchzuboxen:
Gehen Sie bei den Scheidungs-Modalitäten des lieben Friedens willen
Kompromisse ein. Und zwar Sie beide!
Damit alles einigermaßen ohne Rosenkrieg abläuft.
Es ist schon schlimm genug, wenn der Nachwuchs einen Elternteil
künftig nur noch an jedem 2. Wochenende zu sehen bekommt.

 

Knackpunkt: Freunde und die Familie
Nach der Scheidung geht es Ihrem Ex-Partner wahrscheinlich hundsmiserabel
schlecht. Es ist ganz normal, dass er sich bei Freunden, Eltern oder auch
Schwiegereltern ausheult. Und seelischen Beistand holt. Das ist gut so.
Kann sehr hilfreich sein, um die schwere Zeit besser zu überstehen.

Wer großen Wert auf eine Trennung in aller Freundschaft legt, wird darauf
verzichten, den anderen bei Freunden oder Familienangehörigen anzuschwärzen.
Sie als Scheidungs-Initiator müssen sich für Ihr Verhalten nicht rechtfertigen.

Ihrem gehörnten Ex-Partner bringt es nichts, wenn er/sie bei anderen
immer wieder schildert, was für ein abgrundschlechter Charakter Sie sind.
Und Ihnen die Schuld für die Scheidung in die Schuhe schiebt.
Menschlich wäre das zwar verständlich. Es führt aber zu nichts.
Sondern zerschlägt nur noch mehr Porzellan. Je früher Ihr Partner
sein Opfer-Bild ablegt, desto eher kann sich sein Leben normalisieren.

Früher haben Sie mit den Freunden Partys gefeiert.
Mit den Schwiegereltern und Geschwistern Weihnachten, Silberne Hochzeit,
ein Jubiläum und rauschende Silvester- und Geburtstagsfeste zelebriert.
Das alles wird nun nach der Trennung sehr problematisch.
Auch dann, wenn Sie in aller Freundschaft auseinander gegangen sind.

Es ist nahezu unmöglich, in den ersten Monaten mit dem „Schuldigen“
an einem Tisch zu sitzen. Lassen Sie sich etwas einfallen,
wie Sie und Ihr Ex sich in der Anfangszeit nach der Trennung
bei Familienfesten und Partys aus dem Weg gehen.

Erfinden Sie eine Entschuldigung, warum Sie nicht kommen können.
Besprechen Sie die Problematik mit den Freunden. Die werden einverstanden sein,
wenn Sie erst am Tag nach der Feier auf einen Bier vorbei kommen.

Mit der Zeit sollte sich das Verhältnis zwischen den Geschiedenen wieder so weit
entkrampfen, dass es möglich ist, in demselben Raum zu sitzen.
Vielleicht sogar, sich wieder in die Augen zu blicken.

 

Nüchterne Zukunftsplanung nach der Trennung
in aller Freundschaft

Wenn Sie nicht verheiratet sind, dann ist es nach einer Trennung unkompliziert.
Sie einigen sich darauf, wie ein paar Haushalts-Utensilien aufgeteilt werden.
Und wer auszieht. Viel mehr ist da nicht.

Nach einer Ehescheidung sieht die Sache anders aus.
Es muss entschieden werden, wo die Kinder in Zukunft wohnen.
Wer das Sorgerecht hat. Wann, wie lange und wie oft der andere die Kinder
am Wochenende abholen darf.
Auch wenn Sie fair und offen voneinander scheiden:
sollten Sie diese Punkte schriftlich festlegen lassen. Man weiß nie,
wie sich das jetzt halbwegs gute Verhältnis in ein paar Jahren entwickelt.

Es geht auch um finanzielle Aspekte wie Unterhaltszahlungen
und Aufteilung des gemeinsamen Besitzes:
Haus, Möbel, Wohnung, Auto, Bankguthaben, Aktien-Papiere, Campingwagen usw.
Wenn Sie das Kunststück fertigbringen, hier auf einen gemeinsamen Nenner
zu kommen: das wäre eine gute Basis, dass Sie auch in Zukunft
zivilisiert miteinander umgehen können.

 

Die Zeit heilt alle Wunden
Einer von den Sprüchen, die uns zu den Ohren raushängen.
Nichts desto trotz enthält dieses Zitat natürlich viel Wahrheit.
Obwohl die Scheidung wirklich in aller Freundschaft vollzogen ist:
wurde auch das Lebens des Initiators ganz schön aus der Bahn geworfen.
Sogar dann, wenn er/sie schon eine andere Liebschaft im Hintergrund laufen hat.

Viele glückliche Jahre zu beenden: das hinterlässt Spuren.
Doch noch viel mehr leidet der düpierte Partner nach der Scheidung.
Fängt vielleicht an zu trinken. Geht nicht mehr zur Arbeit.
Oder fällt in ein seelisches Loch, eine Depression.

Was können Sie tun, um ihm den Schmerz ein wenig zu nehmen?
Direkt können Sie gar nichts tun. Denn bei Ihrem Anblick kocht in dem anderen
die Wut wieder hoch. Es kommt erneut zu Vorwürfen und Beschimpfungen.
Vielleicht versucht er/sie auch zu klammern. Und das Rad der Zeit zurückzudrehen.

Falls es nicht sowieso schon geschieht:
Dann bitten Sie gemeinsame Freunde, sich um den Ex-Partner zu kümmern.
Es ist wichtig, dass er möglichst oft raus kommt aus seinem Schneckenhaus.
Das Leben aktiv gestaltet, anstatt zu Hause über das verlorene Glück
nachzugrübeln. Die Freunde könnten Ihren Partner/in aufmuntern.
Zu einer Geburtstagsparty einladen.
Zu einem Picknick, Ausflug oder zu sportlichen Aktivitäten.

Diese Bekannten sollen nicht kuppeln. Das wäre dumm und plump.
Und zu diesem Zeitpunkt völlig daneben.
Dennoch könnten sie mit Einfühlungsvermögen und Esprit versuchen,
den Blick des gebeutelten Partners in eine schönere Zukunft zu lenken.
Nur weil man sich in aller Freundschaft getrennt hat,
ist das Leben noch nicht vorbei. Egal, wie alt man ist.

So ganz nebenbei könnten die Freunde dem Ex-Partner unterjubeln,
wie es anderen Geschiedenen gegangen ist.
Wie die bald wieder einen neuen Lebensgefährten kennengelernt haben.
Für einige von diesen Leuten war die Scheidung fast wie ein Lottogewinn.
Erst in der neuen Beziehung merken sie, was in der Ehe früher gefehlt hat.

Ihre Freunde sollten dezent positive Akzente setzen.
Was Unternehmungen und Ablenkungen angeht.
Auch mit Hinweisen auf günstige Zukunftsperspektiven.

 

Nach Beziehungs-Ende: Abstand halten
In den Monaten nach der Scheidung ist es wichtig, dem Ex aus dem Weg zu gehen.
Damit die Erinnerung verblasst. Damit man Zeit findet, die Trennung
in aller Ruhe zu verarbeiten. Sich umzuorientieren, zu sich selbst zu finden.
So dass Liebeskummer und Verzweiflung sich langsam legen.

Falls Sie als Trennungs-Initiator schon einen neuen Freund/ Freundin haben:
dann vermeiden Sie unbedingt peinliche Begegnungen.
Das gibt dem Verflossenen jedesmal einen schmerzhaften Stich ins Herz.

Meiden Sie alles, was zu Kontakten oder zu Missempfindungen beim Ex-Partner
führen könnte. Stellen Sie im Facebook-Profil um Himmels willen keine Bilder rein,
welche die Glückseligkeit mit dem neuen Traumpartner dokumentieren.
Sie wissen nie, ob der/die Ex dort öfters reinschaut. Muss ja nicht sein!

 

Zukunftsvisionen
Wenn der Scheidungs-Leidtragende sich nach 2 Jahren wieder gefasst hat.
Dann könnte es mit etwas Glück sogar wieder zu einer Annäherung kommen.
Auf kameradschaftlicher Basis versteht sich.

Idealerweise könnten Sie Ihren neuen Lebenspartner sogar in dieses neue
Freundschafts-Verhältnis mit einbeziehen.
Ich gebe zu: das klingt schwierig, vielleicht auch ein wenig unwahrscheinlich.
Aber es gibt viele Beispiele, wo das gelungen ist.
Vor allem dann, wenn es auch dem/der Ex gelingt, einen neuen Partner zu finden.
Dann lässt es sich viel entspannter miteinander umgehen.

 

Sich in aller Freundschaft trennen
kann neue Chancen eröffnen

Friede, Freude Eierkuchen:
Davon sind Sie beide auch bei einer fairen Scheidung weit entfernt.
Der Schmerz über die verlorene Liebe heilt nur langsam.
Dennoch bietet diese Art der Trennung dem „Opfer“ gute Chancen,
den Liebesschmerz nach und nach los zu werden.
Möglicherweise können Sie und Ihr Ex sogar irgendwann wieder Freunde sein.
Beziehungen kommen und Gehen.
Freundschaften aber bleiben, wenn man sie pflegt.

Ein neuer Lebensabschnitt beginnt.
Die Welt erscheint uns grau, trist und traurig.
Wir sind am Tiefpunkt angelengt.
Machen ein Gesicht wie 14 Tage Regenwetter.
Doch mit der Zeit erkennen wir:
das Leben als Neu-Single bietet auch viele schöne Chancen.
Wir haben Freiheiten, von denen wir in der Ehe nur träumen durften.

Wir können unsere Freizeit gestalten, wie wir Lust haben.
Wir können Urlaub machen, wann und wo wir wollen.
Ohne auf die Interessen eines Partners Rücksicht zu nehmen.
Wenn die Kinder in guter Obhut sind, können wir am Wochenende
mit Kumpels oder Freundinnen um die Häuser ziehen.
Wenn sich Trauer und Wut gelegt haben, sehen wir alles
mit ganz anderen Augen als vor der Scheidung.

Man kann das Liebesglück nicht herbeizaubern.
Aber wir können offen sein für neue Bekanntschaften.
So dass wir eines Tages vielleicht sogar sagen können:
die Scheidung war überhaupt keine Katastrophe.
Sondern hat uns ungeahnte neue Lebensperspektiven eröffnet.

Ob mit oder ohne einen neuen Partner: das ist eher zweitrangig.
Ein Beziehungsende ob nun in aller Freundschaft oder auch nicht:
kann also auch gute Seiten haben.
Wir müssen sie nur entdecken …

 

Lothar Mader

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